Eine tansanisch-deutsche Musiktheaterproduktion stößt die Debatte über die Aufarbeitung eines der größten deutschen Kolonialkriege in Afrika an.
Im Stück Maji Maji Flava widmen sich die Cellistin und Performerin Lisa Stepf und ihre Kompanie Flinn Works in Kooperation mit der tansanischen Gruppe Asedeva dem Maji Maji Krieg im ehemaligen Deutsch-Ostafrika, bei dem verschiedene Bevölkerungsgruppen 1905-1907 gegen die deutsche Gewaltherrschaft kämpften. Es war einer der größten Kolonialkriege in Afrika, der bislang jedoch noch keinen Weg ins deutsche kollektive Gedächtnis gefunden hat. Dies könnte sich nun möglicherweise ändern: Kurz nach der Aufführung des Stückes in Daressalam im Januar 2017 kommt es im tansanischen Parlament zu Diskussionen über Reparationszahlungen. Erstmalig, nach 110 Jahren Schweigen. Plötzlich sprechen deutsche Medien über den »vergessenen Krieg der Deutschen«. Unerwähnt bleibt der Auslöser der Debatte – ein transnationales Musiktheaterprojekt zwischen Kassel, Berlin und Daressalam.

