Laurie Anderson, Performance-Künstlerin, Geschichtenerzählerin und Frau von Lou Reed, gestaltet für die Elbphilharmonie ein viertägiges Festival. Angereist ist sie unter anderen mit dem tibetischen Mönch Tenzin Choegyal, dem Bassisten Greg Cohen und Stewart Hurwood von The Velvet Underground. Die 71-Jährige wirkt in ihrer Präsenz ein wenig ermattet, mit ihren wachen, grünen Augen, die immer wieder in den Hafennebel schweifen, als ich sie inmitten des Festivals in ihrer Garderobe in der Elbphilharmonie besuche. Vieles ist improvisiert, ungeplant. »Be fearless« gehört zu ihren Grundprinzipien, die sich stark aus der buddhistischen Praxis speisen. Doch immer wieder flackert durch ihr Mitgefühl auch eine Flamme von Anarchie. »I don’t like anyone to tell me what to do«, sagt sie, auf sehr sanfte Art.

2017 warst Du zuletzt in Hamburg, eingeladen von der Kunsthochschule, zusammen mit Wim Wenders. Wie kam es dann genau zu Deiner Verbindung mit der Elbphilharmonie?

Das war ein großes Glück! Wim Wenders meinte zu mir: ›Du musst dir dieses Haus ansehen, das ist fantastisch!‹ So kam ich her und bin in Greg Cohen reingelaufen, der an dem Abend mit Woody Allen aufgetreten ist. Es war lustig, weil das der Abend war, an dem die Femen Aktivistinnen auf die Bühne gelaufen sind, um gegen Kindesmissbrauch zu demonstrieren. Sie waren oben ohne und hatten sich mit einem glitschigen Zeug eingeölt, so dass die Security sie minutenlang nicht richtig packen konnte, sie sind immer wieder abgerutscht. Woody hat nicht verstanden, dass es eigentlich um ihn geht, er ist irgendwie alt geworden und ein bisschen gaga. Er fand es glaube ich ganz gut, diese Frauen mit ihren nackten Brüsten. Greg hat ihm dann irgendwann zugeraunt: ›Wir müssen wirklich mit der Show aufhören‹, aber sie haben dann als die Frauen von der Bühne waren einfach weitergespielt, was sicher gut war. Greg hat mir dann später am Abend Nils Hansen von der Elbphilharmonie vorgestellt, wir haben uns sehr nett unterhalten, und er hat mir dann irgendwann vorgeschlagen: Willst du nicht mal diesen Reflektor für uns machen? Klar, habe ich gesagt. Und ich bin sehr glücklich, denn ich habe vor ein paar Tagen noch eine Sternstunde hier erlebt.


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... hat französische und deutsche Literatur sowie Kulturmanagement in Bonn, Paris und Hamburg studiert. Heute arbeitet sie als freie Journalistin, Kuratorin und Dramaturgin im Bereich klassischer Musik. Unter anderem ist sie für die Donaueschinger Musiktage oder die Elbphilharmonie tätig, kuratiert die Philosophiereihe »Bunkersalon« mit dem Ensemble Resonanz, entwickelt die globale Konzertreihe »Outernational« und schreibt für das VAN Magazin.