- Gidon Kremer: Mieczysław Weinberg: Sonatas for Violin (ECM)
- Stéphane Degout, Simon Lepper: Epic: Lieder & Balladen (Harmonia Mundi)
- Anna Prohaska, La Folia Barockorchester, Robin Peter Müller: Celebration of Life in Death (Alpha)
Wenn in der Tora jemand von Gott angerufen wird, ist die Antwort häufig ein einziges Wort: Hineni. Es ist das Wort, mit dem Abraham auf Gottes Auftrag reagiert, seinen Sohn Isaak zu opfern, und das er wiederholt, wenn er in letzter Sekunde aufgehalten wird. Auch Moses sagt es, wenn er den brennenden Dornbusch erblickt. Im Hebräischen bedeutet Hineni »Hier bin ich«, aber es umfasst mehr als nur eine schlichte Ortsangabe. Das »Hier bin ich« beschreibt den Standort des Selbst in Zeit und Raum, ebenso aber auch in der emotionalen, spirituellen und moralischen Welt. Das Wort wird zu einer Art Leitmotiv: Wenn eine Person es äußert, ist klar, dass ihr ein tiefer Wandel bevorsteht – meist in Form einer Krise. Leonard Cohen platziert die Phrase prominent im Opener zu seinem letzten Album You Want It Darker. Mit Cohens Worten gesprochen, könnte Hineni hier die »rituelle Antwort auf eine ausweglose Situation« sein.
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