»Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst!« Kerzengerade und konzentriert steht Konstantin Krimmel mit schwarzer Fliege und blank polierten Schuhen auf der Bühne des Berliner Konzerthauses und singt Schuberts Miniatur-Drama Prometheus. Es ist eine kleine Masterclass in der Kunst kultivierten Liedgesangs: Er artikuliert mit messerscharfer Klarheit, gibt jeder Phrase eine andere Farbe, singt in einem Augenblick zart zurückgenommen, um die Stimme im nächsten Moment intensiv aufblühen zu lassen. Dabei behält er stets die ungekünstelte Ausstrahlung eines bodenständigen Natur-Burschen.

Konstantin Krimmel ist zwar erst Anfang dreißig, gilt im Lied- und Konzertfach aber schon jetzt als Ausnahmekünstler. Auch sonst hat er eine Bilderbuchkarriere hingelegt: Er ist unter anderem Gewinner des Deutschen Musikwettbewerbs und seit 2021 Ensemble-Mitglied der Bayerischen Staatsoper. Ich erreiche ihn per Videocall in seinem Hotelzimmer in Frankfurt, wo er gerade ein neues Konzert vorbereitet. 

VAN: 2023 wurdest du von den Magazinen Opernwelt und Oper! zum Nachwuchskünstler des Jahres gekürt. Dieses Jahr hat dich die Jury des Opus Klassik als Sänger des Jahres ausgezeichnet. Wie siehst du dich: Nachwuchstalent oder routinierter Profi? 

Konstantin Krimmel: Irgendwo dazwischen. Ich glaube, so langsam schwindet der Nachwuchs-Bonus – vor allem, wenn ich mich so bei den Wettbewerben umschaue. Eine ganze Zeit lang gehörte mein Jahrgang immer zu den Jüngsten, und mittlerweile gibt’s da auch die Jahrgänge 98, 99, 2000 und so weiter. Auch bei Opernproduktionen bin ich längst nicht mehr das junge Küken im Nest, da gibt es mittlerweile auch Jüngere.


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

… lebt in Berlin und arbeitet als freischaffende Sängerin und Musikjournalistin (u.a. für Opernwelt, Crescendo, TAZ).