Bayreuth fällt aus, und Streaming ist große Mode? Alles schon mal dagewesen, nur anders. Volker Hagedorn wirft einen Blick ins Jahr 1913, entdeckt die neueste Technik, skeptische Politiker, ein Sommerloch mit Pfannkuchen und einen französischen Schriftsteller, der ohne confinement zu Hause bleibt.

Streaming kann süchtig machen. Als Marcel Proust, 39 Jahre alt, wegen diverser Leiden meist daheim auf der Chaiselongue bleibend und schreibend, am 21. Februar 1911 eine Liveübertragung aus der Opéra-Comique hört, erwischt es ihn. Pelléas et Mélisande von Claude Debussy sei eine Offenbarung, bekennt er einem Freund. Fortan verpasst er keine Übertragung dieser Oper, auch keine seines Lieblingswerks Tristan und Isolde. Das wird am 21. Mai 1913 sogar aus Paris nach London übertragen. Hallo? Streaming, vor dem Ersten Weltkrieg? Natürlich nannte man es nicht so. Und dass 1913 die Bayreuther Festspiele abgesagt wurden, hatte keine gesundheitlichen Gründe. Doch sind die Parallelen zu unseren Tagen zu verblüffend, um ihnen nicht nachzugehen.


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.