Ob Jakob Lenz, Woyzeck, Macbeth oder Luigi Dallapiccolas Il prigioniero – der österreichische Bariton Georg Nigl kennt sie gut, die Außenseiter, Schmerzensmänner und Grenzgänger der Literatur. In vielen Inszenierungen hat er ihnen seine klare, charismatische Stimme geliehen, Licht in deren dunkle Welt gebracht und sie so nah an sein Publikum gerückt. Vom Feuilleton wird er dafür als Fachmann fürs Extreme gefeiert, als Tänzer »über dem Abgrund«, als »Meisterhedonist«. Doch im Moment ist auch Georg Nigl zum Schweigen verurteilt – jedenfalls auf der Bühne. Das vollständige Verstummen der klassischen Musikwelt will er allerdings nicht widerstandslos hinnehmen. Während er mit mir vom Balkon seiner Wohnung in Wien telefoniert, raucht er, sein Sohn übt im Nebenzimmer Klavier. Nigl spricht hastig, zuweilen wütend, mit viel Wiener Schmäh und warnt, ich würde es schwer haben, seinem Redefluss zu folgen. Auch ihn hat die Absagewelle kalt erwischt. Doch mehr als um die eigene Zukunft sorgt sich Nigl jetzt um die der gesamten Branche. Ob diese nach Corona wieder aufblühen wird, hänge vom Umgang mit den freischaffenden Künstlern ab.
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