Topsanierte Bachstädte im Osten schrumpfen zu Seniorenresidenzen. Festivals helfen dagegen auch nicht. Wie wär’s mal mit einer Invasion?
Rollkoffer werden auf der ganzen Welt über Trottoirs und Straßen gezogen. Je nach Befüllung und Beräderung unterschiedlich, erzeugen sie das Grundrappeln der Gegenwart, den akustischen Schatten der Vernetzung. Normalerweise. Aber nicht in einer Stadt, bei deren Nennung Musikfreunde rund um den Planeten verklärt blicken und seufzen: »Die Brandenburgischen Konzerte! Die Violinsonaten … ach, Bach!« Köthen. Nein, wenn hier ein Rollkoffer rappelt, bedeutet es – dass ein Fremder die Stadt betreten hat. Dieser würde gern jemanden nach dem Weg zum Hotel fragen, anstatt sein Navi zu aktivieren, aber er sieht niemanden. Er kommt an etlichen Seniorenresidenzen vorbei, aus denen aber auch niemand herausschaut. Irgendwann taucht der unvermeidliche dicke frühverrentete Sechzigjährige mit dem Dackel auf, der einem freundlich weiterhilft. Mittlerweile trägt man den Koffer am Griff. Er stört sonst die Stille.

