Je mehr sich Kultur legitimieren muss, desto mehr wird gezählt. Besonders in der Klassik grassiert die Statistik. Wie viel Mozart, wie viel Avantgarde, wie viele Komponistinnen? Volker Hagedorn findet die Messwerte unmusikalisch.

Die Zauberflöte musste Platz eins räumen, Don Giovanni ist von sieben auf acht gerutscht. Auf der Plattform backtrack.com, die Angaben zu knapp 34.000 Konzerten, Ballettabenden, Opern im vergangenen Jahr auswertet, rangeln sich bei »top 20 operas« nun Verdi, Puccini und Bizet um die Spitzenplätze. Beim Smalltalk kann man dazu noch süffisant anmerken, dass die Titelheldinnen aller drei meistgespielten Opern allesamt so oder so Opfer der Geschlechterrollen im europäischen 19. Jahrhundert sind, ob sie nun durch Tuberkulose, Suizid oder Mord sterben. Was wiederum damit zu tun hat, dass ohnehin vier Fünftel aller Opern auf den Spielplänen mehr als hundert Jahre alt sind. Und da wird die Statistik dann doch interessant und kulturpolitisch brisant, denn: Muss das nicht anders werden? Moderner? Und mit viel mehr Komponistinnen?


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.