Längst haben historisch informierte Musiker den Boléro erreicht und das Barock komplett erobert – droht nun der interpretatorische Stillstand? Nicht, wenn sich die »Szene« von der Lagernostalgie verabschiedet und von einem Begriff: Die Kategorie »Alte Musik« hat ausgedient – meint Volker Hagedorn.

Vor einer Woche wurde in VAN nach der »Zukunft der Alten Musik« gefragt, im Gefolge eines kleinen Berliner Symposiums. So eine Frage impliziert, dass man eine mehr oder weniger fest umrissene Szene, einen bestimmten Teil der Musikkultur vor sich hat, und außerdem, dass er bedroht ist. Im Text von Elina Albach und Folkert Uhde ist die Rede von »Barockmusik« und jener »Szene« von Musikern der historisch informierten Musikpraxis, die auf so etwas wie eine »Protestbewegung« der 1960er und 70er zurückgeht, und davon, dass es ihr jetzt an Impulsen, Ideen und attraktivem Profil fehle – auch als Folge ihres Erfolgs, denn »die Alte Musik ist im traditionellen Konzertleben angekommen und aufgegangen.« Unumgänglich sei »eine Neudefinition unseres Genres, unserer ›Szene‹ und unserer Haltung«, um weiterhin »relevant zu bleiben«.


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.