Der Komponist Klaus Huber ist mit 92 Jahren in Umbrien gestorben – ein Großer, auf den kein Etikett passt, ein Lehrer, der vielen auf den Weg half. An Begegnungen mit ihm und seiner Musik erinnert sich Volker Hagedorn.
»Seit drei Jahren habe ich nichts komponiert«, sagte er lächelnd, »zu faul!« Das war vor zwei Jahren. Klaus Huber war neunzig und wusste ganz gut, dass seinem Oeuvre nichts mehr fehlte. Er nahm noch eine Mozzarella in Carrozza und einen Schluck Prosecco und blinzelte in die norddeutsche Aprilsonne, vielleicht schon in Vorfreude auf den Sommer in seinem Haus in Panicale, mit Blick auf den Trasimenischen See, wo er und seine Frau Younghi Pagh-Paan jedes Jahr für mehrere Monate lebten und komponierten. Dort hatte ich sie erstmals besucht, als Klaus Huber der Preis der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung zugesprochen worden war, der als Nobelpreis der Musik gilt, dort ist der 92jährige, auf den Krückstock und einen Assistenten gestützt, auch in diesem Sommer noch zur Piazza gegangen, zum abendlichen Espresso, den Bewohnern der kleinen Bergstadt so vertraut wie allen, die mit Neuer Musik zu tun haben.

