Die Empörung darüber, dass der Bundestag letzte Woche nach der emotionalen Rede von Wolodymyr Selenskyj einfach zur Tagesordnung überging, war groß. Der ukrainische Präsident hatte den Parlamentarier:innen schonungslos das Versagen der deutschen Russlandpolitik vor Augen geführt und um mehr Unterstützung gebeten. Statt sich damit zu beschäftigten, gab es im Plenum direkt im Anschluss parteipolitisches Gezänk und die Bundestagspräsidentin gratulierte zwei Abgeordneten zum 60. Geburtstag. 

Vier Wochen dauert der russische Krieg gegen die Ukraine mittlerweile und es scheint, als habe man sich auch in der Klassikwelt schon wieder gemütlich eingerichtet im Protokoll und der eigenen Komfortzone. Die Putin nahestehenden Gergiev und Netrebko hat man nach anfänglichem Zögern schnell entsorgt, als es imagemäßig zu heiß wurde. Dort, wo beide früher ein- und ausgingen, veranstaltet man nun Benefizkonzerte, dekoriert blau-gelb und spielt die ukrainische Nationalhymne. So hat man sich in Windeseile vom Pranger aufs hohe moralische Ross geschwungen. 


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