7. Oktober, kurz vor 11 Uhr, Rheinisches Braunkohlerevier. Gestern haben sich hier 50.000 Menschen versammelt, um friedlich für einen baldigen Kohleausstieg, den Erhalt des Hambacher Forstes und generell gegen die Erweiterung des RWE-Braunkohletagebaus zu demonstrieren. Jetzt klettern 30 Aktive des musikalischen Aktionsnetzwerkes Lebenslaute ins Gleisbett der »Hambachbahn«, um musizierend die Schienen zu blockieren, über die RWE die Braunkohle aus dem Tagebau Hambach abtransportiert. Auf einer nahen Brücke versammelt sich das Publikum, um die Musizierenden die Polizei. Nach einer Dreiviertelstunde und der dritten Aufforderung durch die Beamten verlassen die Aktiven den Aktionsort, um nach einer Personalienfeststellung im Hambacher Forst mit einem sehr viel größeren Ensemble (Chor und Orchester) ein weiteres Konzert für die Menschen im Wald zu geben.Mit einem Sänger des Lebenslaute-Chores spreche ich im Anschluss – nicht über mögliche Verstrickungen von RWE und Politik und das Kopf-in-den-Baggersand-Stecken vieler Entscheidungsträger*innen, wenn es um Klimaschutz geht – sondern darüber, wie er den Protest durch klassische Musik erlebt und was diese mit angespannten Situationen macht. Mit denen hat Lebenslaute Erfahrung, denn die allermeisten Lebenslaute Konzerte beinhalten einen Akt des zivilen Ungehorsams, einen Gesetzesübertritt in Form einer Besetzung oder Blockade, mit Instrumenten und in Konzertkleidung.
Welche Attribute verbindest du mit klassischer Musik?
Das zu sagen fällt mir ziemlich schwer, weil klassische Musik so vielfältig ist. Meist hat klassische Musik etwas sehr Konzentriertes – das ist vielleicht eine Gemeinsamkeit. Sie wird immer mit Hochkultur verbunden und vermittelt ein Gefühl von Ordnung. Wenn wir auf Lebenslaute schauen, steht das im Kontrast zum Gesetzesübertritt, der ja eher Unordnung vermittelt.

