Kit Armstrong – kein Wunderkind mehr, aber immer noch Wunder – sei der einzige Musiker, der direkten Zugang in Beethovens Kopf habe, erklärt sinngemäß Dirigent Jan Caeyers vor dem Konzert: Hier sitze quasi Beethoven selbst am Klavier. Einem so profunden Euphoriker wie Caeyers nimmt man solchen Überschwang gern ab. Und auch dem gepriesenen Wunder Armstrong (der sowas nie von sich behaupten würde), wenn man ihn gleich darauf in Beethovens erstem Klavierkonzert erlebt.
Das wird von ihm übergangslos eingeleitet durch Bachs Präludium und Fuge C-Dur, um das Publikum erstmal in die Tonart einzuschwingen. Und dann changiert das weiße Licht, das Rimsky-Korsakow in C-Dur sah (vom Klavier aus gedacht naheliegend), in alle denk- und hörbaren Farbwerte. Wie plastisch und klar Armstrongs Spiel ist, wird trotz kompletter Deckelentfernung vom Bechsteinflügel, mit akustisch bedenklicher Streuwirkung, imposant deutlich; was sich aber etwa im Wechselspiel mit dem historischen Horn des Ensembles Le Concert Olympique gegen Ende der Durchführung ereignet, ist kristalline Instrumentverwandlung. Barocker Gestus entsteht im Beethoven beinah stärker als im einleitenden Bach, allein dadurch, dass Armstrong im Orchestertutti nicht pausiert, sondern akkordisch mitspielt, im gedachten Generalbass. Zum ersten Höhepunkt wird die Kadenz des Kopfsatzes, keine der schriftlich fixierten von Beethoven, sondern wie seinerzeit üblich improvisiert. Bei Armstrong gerät das phasenweise zur vollgriffigen und vollgültigen Sonate der »heroischen« Phase.

