KI ist in Bayreuth allgegenwärtig. Im Café in der Sophienstraße hängen KI-Porträts von Richard Wagner mit kitschigem Emo-Eyeliner. Auf meinem Weg zum Festspielhaus sehe ich KI-Plakate für eine Art Dinosaurier-Rodeo. KI-generierte Schilder säumen die Straßen – für Frühstück, für Eis, für Falafel. Noch bevor der KI-Ring überhaupt anfängt, gelange ich zur Überzeugung: Die meisten Menschen haben ihre Kreativität offenbar an Computer abgegeben.

Die neue Inszenierung des Der Ring des Nibelungen sehe ich in ihrer dritten Woche in Bayreuth und so stehe ich vor der undankbaren Aufgabe, etwas Neues über eine Inszenierung zu sagen, die schon einhellig – und oft sehr lustig – verrissen wurde. Der sogenannte RING 10010110, »kuratiert« von Marcus Lobbes (Direktor der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund) und offenbar produziert von einer Künstlichen Intelligenz, zeigt eine Reihe von KI-generierten Projektionen, die unter anderem auf historischen Bildern aus den Archiven in Bayreuth basieren. Die Sängerinnen und Sänger tragen Kostüme, die sie wie Silberfischchen oder Aale aussehen lassen; sie stehen größtenteils stramm hinter (ja, hinter) einer Leinwand, während der Computer seine Arbeit macht. Das Ergebnis ist ohne Zweifel die schlimmste ästhetische Erfahrung, die ich in meinem bisherigen Leben machen musste. Das ist keine Übertreibung. Selbst als jemand, der seit über einem Jahrzehnt Verrisse schreibt, fällt es mir schwer, Worte zu finden, die zeigen, wie schlecht diese Inszenierung ist, die man nur als Beleidigung für Cast und Publikum gleichermaßen bezeichnen kann – für das vielleicht hingebungsvollste Publikum, das man in der Klassikszene finden kann. Der Gedanke, die anderen drei Teile ertragen zu müssen (geschweige denn darüber zu schreiben) – die sich auf den harten, unbequemen Sitzen und in der drückenden Hitze des Festspielhauses ohnehin schon lang anfühlen können –, erfüllt mich mit Entsetzen. Wenn ich sie nicht rezensieren müsste, würde ich eine Schlafmaske mitbringen.


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… schreibt für ›The Nation‹ über Architektur und ist Gründerin des Blogs ›McMansion Hell‹. Bevor sie zu ›The Nation‹ kam, war Wagner als Kritikerin bei ›The Baffler‹ und ›The New Republic‹ tätig. Sie lebt in Chicago, Illinois.