Anton Bruckners Symphonien wird bisweilen nachgesagt, sie klängen gleichförmig, langwierig, ja: langweilig. In sich seien sie überdies aus- und verwechselbar heißt es; und hier und da gar: »Bruckner hat eine Symphonie geschrieben – neun Mal!«
Zu wenig wird dabei gewürdigt, wie Bruckners Symphonik rezeptionsseitig große Erhabenheitserfahrungen ermöglicht und wie sakral-meditativ sich in seine symphonischen Strukturen immersiv eintauchen lässt. An diesen Potentialen Brucknerscher Ästhetik durfte sich beispielsweise Theodor W. Adorno nicht erfreuen, galt es ihm doch, Wagner zu verurteilen, um gleichzeitig Mahler als den »Ausweg« zu markieren. Das Wagnersche an Bruckner musste spöttisch kommentiert, das Mahlersche an Bruckner relativiert werden. Bruckner – Musiktheorie-Schüler von Simon Sechter (1788–1867) – war für Adorno »der ungeschicktere Sechterschüler« (Theodor W. Adorno: Versuch über Wagner, Frankfurt am Main 1952, S. 65), der »naiv« (Theodor W. Adorno: Mahler. Eine musikalische Physiognomik, Frankfurt am Main 1960, S. 181) tatsächlich die »bloße Länge [seiner Symphonien für] eine qualitative Kategorie« (Ebd.) halten, »klobig« (Adorno: Mahler, S. 215) komponieren und dabei lediglich »Leerlauf und Formelkram« (Ebd., S. 216) produzieren würde.

