Als Ingmar Bergman am 30. Juli 2007 starb, studierte ich gerade an der Universidad del Cine in Buenos Aires. Es war ein kalter Wintertag, über dem eine merkwürdige Stimmung hing: Am selben Tag verloren wir auch den Regisseur Michelangelo Antonioni. Ich stand mit einigen anderen Studenten draußen in der Kälte und dachte an den Ritter aus Bergmans Film Das siebente Siegel, Giuliana aus Antonionis Die rote Wüste, wie sie inmitten der Hochöfen und Maschinenhallen umherwandelte, und fragte mich: Wie würde das Jenseits aus der Sicht der beiden aussehen?Anders als Bergman lernte ich klassische Musik nicht schon in meiner Jugend kennen. Aber ähnlich wie er heiratete ich jemanden, der mir viel darüber erzählen konnte: Bergmans vierte Frau Käbi Laterei war eine erfolgreiche Konzertpianistin. Der estnische Komponist und Autor Jüri Reinvere war ein enger Freund der beiden. Neun Jahre nach Bergmans Tod, an einem heißen Septembertag in Berlin, treffen wir uns in seiner Wohnung in Schöneberg.
VAN: Käbi Laretei war eine wichtige Mentorin für dich. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Jüri Reinvere: Ich war 18 Jahre alt, hatte gerade Estland verlassen und studierte in Warschau. Ingmars Autobiographie Laterna Magica erschien damals auf polnisch, und ich las sie, nachdem ich auch schon einige Filme von ihm gesehen hatte. Ich verfolgte aufmerksam, dass bald darauf auch Käbis Buch En Bit Jord (dt. Ein Stückchen Erde) in Estland herauskam. Es war die Zeit von Glasnost. Dann las ich ein Interview mit ihr in einer Zeitung und dachte, ›Wow, diese Frau muss ich treffen, von der könnte ich einiges lernen.‹ Monate später wohnte ich in Finnland, ein Freund dort hatte ihre Telefonnummer, und ich rief sie an.

