VAN: Wir möchten heute hauptsächlich über Ihr Zweites Streichquartett sprechen. Zuerst zu den Klängen: Wie erzeugen Sie die?
Jürg Frey: Es gibt eine spezielle Art, wie die Streicher die Töne spielen sollen. Sie greifen die Note, die erklingen soll und mit dem anderen Finger auf der gleichen Saite dämpfen sie die Note. Das ist eine Technik, die Streicher normalerweise benutzen, um Flageoletttöne zu spielen, also ganz hohe Töne. Aber weil das Flageolett nur auf der Halbtonstufe ist, dient es in diesem Fall dazu, den Klang entsprechend zu beeinflussen. Die für mich spannendste Erfahrung beim Ausprobieren von diesen Klängen war,– nicht für das Streichquartett, sondern für ein früheres Stück von mir – dass man ganz leise auf einer Saite einen Klang hervorbringen kann, der zwei Töne hat. Das ist eigentlich eine Art von Unmöglichkeit, denkt man. Es ist ein subtiler Vorgang, und es gibt Momente, wo man ein Geräusch hört, in dem die beiden Töne hörbar sind. Und das ist die klangliche Grundlage vom gesamten Streichquartett. Die Streicher spielen fast immer diese Art von Klang. Dadurch entsteht eine Raumwirkung und diese Schattenwirkung in den Klängen.
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