Der Ort Cappel an der Nordsee ist so klein, dass er auf der Seite der »Kurverwaltung Wurster Nordseeküste« in der Rubrik »klein aber fein« nur mit einem Google-Satellitenbild verlinkt ist. Auf dem ist ein roter Kreis über die Flur gezogen. Irgendwo da muss er liegen. Durch diesen Flecken Marschland verläuft die Kursbuchstrecke 125 Bremerhaven – Cuxhaven. Der Haltepunkt Cappel-Midlum wurde allerdings mangels Fahrgastaufkommen 1992 aufgegeben. Durch Cappel verläuft aber auch eine Pilgerroute, deren Reliquie sich auf der Empore der Kirche Peter-und-Paul befindet. Sie hat 30 Register, 51 Pfeifenreihen und sogar eine eigene Webseite, liebevoll gepflegt und aktualisiert. Das hat hier nicht einmal die Freiwillige Feuerwehr. So wie Ferraristi nach Maranello oder Metalfans nach Wacken, pilgern Orgelkenner nach Cappel. Sie setzen sich dort auf eine harte Kirchenbank und lauschen ehrfürchtig einer Orgel, die als besterhaltene des späten 17. Jahrhunderts gilt, erbaut vom Stradivari der Orgel, Arp Schnitger. Hier oben im Norden, wo die meisten der noch etwa 30 erhaltenen Schnitger-Orgeln stehen, wird er besonders verehrt. Beim Bremer Musikfest veranstalten sie alljährlich das Arp-Schnitger-Festival, in Ortschaften wie Bockhorn, Lüdingworth oder Ganderkesee. An der Bremer Hochschule der Künste gibt es das Arp-Schnitger-Institut für Orgel und Orgelbau, das unter anderem die Arp-Schnitger-Orgel-Datenbank unterhält. Der Verein Arp-Schnitger-Kulturerbe e.V. strebt die »Ernennung des Arp-Schnitger-Orgelschatzes als UNESCO-Weltkulturerbe an«. Zum 300. Todestag druckt das Bezirksamt Hamburg-Harburg ein Arp-Schnitger-Motiv auf seine Briefe. Auf Antrag der Linken-Fraktion. In Neuenfelde bei Hamburg, wo er lebte, gibt es den »Arp-Schnitger-Stieg«. In Beverstedt, Grasberg, Cappel und Jever eine »Arp-Schnitger-Straße«, in Strande einen »Arp-Schnitger-Weg«, in Ganderkesee einen »Arp-Schnitger-Platz«.


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert. hartmut@van-verlag.com