Jessica Cottis ist sehr sensibel für Klänge. Schon beim Eintreten in das Café des Kinos des British Film Institute merkt man, dass sie jedes kleine Geräusch bewusst wahrnimmt – wie das Laptop-Tastatur-Klappern am Nachbartisch. Als mitten im Gespräch draußen ein Motorrad vorbeifährt, zuckt sie zusammen und stoppt mitten im Satz. »Es ist eine Plage«, sagt sie. Wenn das der Fall ist, hat diese »Plage« ihr geholfen, in die Riege der führenden Dirigent*innen Großbritanniens aufzusteigen. Allein in dieser Saison dirigiert sie das London Symphony Orchestra, im Royal Opera House und die LA Philharmonic.Cottis wurde in Australien geboren und verbrachte, weil ihr Vater fürs Militär arbeitete, den Großteil ihrer Kindheit auf Militärbasen, wo die Klänge der Sirenen ihre Ohren zum Klingeln brachten. Mit drei Jahren bekam sie von ihrer Mutter den ersten Klavierunterricht, mit 25 war sie nach einem Studium in Paris bei Marie-Claire Alain fertig ausgebildete Organistin. Im selben Jahr wurde ihre professionelle Karriere jedoch durch die Diagnose Karpaltunnelsyndrom beendet. Nach einer kurzen Pause schrieb sie sich für ein Dirigierstudium an der Londoner Royal Academy of Music ein. Ich treffe Cottis kurz nach ihrer Rückkehr von der 60. Ausgabe der Kocian Violin Competition, bei der sie dirigiert hat.
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