In seinen Interpretationen kann der Bariton Holger Falk Welten erzählen – er singt, dass man das Gefühl hat, gerade bei der Entstehung des Liedes dabei zu sein, bei einer sich entspinnenden Geschichte, gerade jetzt, bei einem Ereignis. Es passiert etwas. Unmittelbarkeit wohnt dem Lied zwar mehr inne als vielen anderen musikalischen Gattungen, doch spürt man sie verhältnismäßig selten. Falks ins Mark gehender vierteiliger Eisler-Zyklus ist seit Ende des vergangenen Jahres abgeschlossen, die neueste CD ist gerade erschienen: Il Gondoliere Veneziano mit komponierten und überlieferten alten Liedern aus dem Norden Italiens. Von dem Album spricht Falk als »mein Projekt« – Sponsoren und Label trieb er selbst auf (sein Hauslabel MDG sah das Projekt nicht im eigenen Portfolio), vergab Kompositionsaufträge an Klangkünstler:innen, fuhr mit ihnen nach Venedig, nahm dort auf. Brauchte er nach dem hochpolitischen, sperrigen Eisler-Projekt etwas Sanftes? Oder sind sich die beiden Projekte doch ähnlicher als gedacht? Ein Gespräch über Unmittelbarkeit, Intuition und Buh-Rufer.
… schreibt als freiberufliche Musikjournalistin unter anderem für die Zeit, den WDR und den SWR. Nach dem Musikstudium mit Hauptfach Orgel und dem Master in Musikjournalismus promoviert sie am Institut für Journalistik der TU Dortmund im Bereich der Feuilletonforschung. Mehr von Hannah Schmidt

