Als mir ein Freund ein Youtube-Video von Helmut Lachenmanns neuestem Stück Marche fatale für Orchester schickte, schrieb ich zurück: »Heilige Scheiße, ist das ein Witz?« Der Komponist, der mit beinahe beängstigender Geschicklichkeit und Intelligenz geräuschhafte Werke schreibt, der im Alleingang wahrscheinlich mehr neue Instrumentalklänge erfunden hat als jeder andere im Laufe der Musikgeschichte, hat einen tonalen Marsch mit eingängiger Melodie und einem musikalischen Furz-Witz geschrieben. Der Intellektuelle mit dem weißen Bart, der berühmt ist für die Dekonstruktion des klassischen Repertoires durch unglaublich raffinierte Instrumentaltechniken und Spielweisen, hat etwas geschrieben, das klingt wie ein Cousin der ultimativen Cartoon-Musik, des Radetzky-Marsches von Johann Strauss.
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