In Deutschland kann man an vierundzwanzig Musikhochschulen, sechs Kirchenmusikhochschulen, elf Akademien und Konservatorien sowie an etlichen Universitäten künstlerische musikalische Hauptfächer studieren. Die Lebenswege der angehenden Musiker/innen scheinen in vielen Fällen vorgezeichnet zu sein: Instrumental- oder Gesangsunterricht seit dem frühen Kindesalter, oftmals Jungstudierendenzeit an einem spezialisierten Institut, ein vier- bis fünfjähriges Vollstudium, anschließend vielleicht noch Aufbau- und Masterstudiengänge – und schließlich, nach einer etwa zwanzigjährigen Ausbildungszeit, der Sprung in ein ziemlich ungewisses Berufsleben. Der fast überall mit Sparzwängen belastete klassische Musikbetrieb wird jedes Jahr mit einer Vielzahl bestens ausgebildeter Musizierender aus dem In- und Ausland überflutet, die in Deutschland ihr Auskommen finden möchten. Aber nur die wenigsten von ihnen können ihren Lebensunterhalt durch das aktive Musizieren bestreiten. Angebot und Nachfrage klaffen weit auseinander: Orchesterstellen und Engagements an Theatern oder Opernhäusern können den Bedarf an Arbeitsplätzen nicht annähernd decken; während die Absolventenzahlen in den letzten Jahren kontinuierlich angewachsen sind, werden immer mehr Planstellen in Orchestern und an Bühnen gestrichen. Die meisten Berufsmusiker/innen geben Unterricht, oft, ohne dafür ausgebildet worden zu sein; Lehrpositionen an Musikschulen, Hochschulen und Universitäten sind – auch bei schlechter Vergütung – rar und begehrt. Was die Absolvent/innen im Regelfall erwartet, zumindest in den ersten Jahre ihrer Berufstätigkeit, ist ein freiberufliches Musikertum mit knappen Einkünften und nicht ausreichender sozialer Absicherung. Patchwork-Existenzen mit mehreren parallel ausgeübten Tätigkeiten sind zum Normalfall geworden. Währenddessen können sich öffentliche Musikschulen vor Schüleranfragen kaum retten, sind jedoch aus Mittelknappheit gezwungen, Haushaltssperren und Aufnahmestopps zu verhängen. Was läuft da schief? Hier der erste von drei Teilen: Über das Musik studieren, um Berufsmusiker/in zu werden.
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