Madama Butterfly zählt zu den populärsten italienischen Opern der Welt, ein Werk, das geprägt ist von rassistischen und sexistischen Stereotypen über asiatische Frauen. Wie können Konzert- und Opernhäuser in Zukunft kritisch mit einer derart kolonialistisch geprägten Oper umgehen und gleichzeitig die künstlerische Leistung, die sie darstellt, wertschätzen? Darüber habe ich mit der Filmemacherin Hai-Hsin Lu und der Komponistin, Medienkünstlerin, Performerin und Instrumentalistin Duoni Liu gesprochen. Liu hat, zusammen mit weiteren Künstlerinnen, zu dem Themenkomplex eine digitale Multimedia-Ausstellung kreiert, die aktuell online zu erleben ist.

Hai-Hsin Lu (links) • Foto © Zlatina Teneva / Duoni Liu (rechts) • Foto © Nunu Lancaster

VAN: Madame Butterfly spielt in Japan um das Jahr 1900. Es geht um einen fiktiven amerikanischen Marineoffizier, der in Nagasaki stationiert ist und seinen Kontakt zu Cio-Cio San, einer Geisha, die Butterfly genannt wird. Waren zu dieser Zeit wirklich US-Marineoffiziere in Japan?

Hai-Hsin Lu: Ja, tatsächlich. Um die historische Einbettung der Oper zu verstehen, muss man sich Japan in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts anschauen. Nach über 200 Jahren relativer Abgeschiedenheit wurde Japan in den 1850er Jahren von westlichen Großmächten – darunter allen voran den USA – militärisch zur Öffnung gezwungen. Dahinter lag einerseits das Interesse an Handelsbeziehungen mit Japan und andererseits ein geostrategisches Interesse an gut zugänglichen Häfen für den Pazifik. Als John Luther Long die Vorlage für Puccinis Oper geschrieben hat, befand sich Japan tatsächlich schon seit mehreren Jahrzehnten in der westlich gewandten ›Meiji-Restauration‹. In Hafenstädten wie in Nagasaki, wo das Ganze spielt, gab es zu der Zeit bereits seit längerer Zeit Menschen aus der sogenannten ›westlichen Welt‹ – auch US-Marineoffiziere.


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Vincent Bababoutilabo ist Musiker, Autor und Aktivist an der Schnittstelle zwischen Kunst und Politik. In seinen künstlerischen und politischen Projekten fokussierte er in den letzten Jahren insbesondere die Bereiche Migration, Flucht, Dekolonisierung, Ausbeutung und Widerständigkeit sowie die Suche nach positiven Visionen für eine gerechte Gesellschaft, in der wir alle ohne Angst verschieden sein können. Er ist Mitglied in zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen wie bspw. dem NSU-Tribunal...