Giovanni Antonini und sein harmonischer Garten, das Originalklang-Ensemble »Il Giardino Armonico« waren gerade mit Patricia Kopatchinskaja auf Tour. Vivaldi und zeitgenössische, italienische Kompositionen haben sie verbunden zu einem feinsinnigen Programm mit wildfreien Kadenzen. Ob das jetzt ein Match ist – das Barockensemble und der ungebremste Feuervogel? »Everyone is an artist of his own garden«, sagt Kopatchinskaja in ihrem entwaffnend ehrlich-schrägen Promovideo »Being Pat«. Eine aufspringende Passionsblume ist dabei zu sehen, die florale Metaphorik also stimmt schon einmal. Bei allen Unterschieden treffen mit Kopatchinskaja und dem Flötisten und Dirigenten Antonini zwei Geister der Reibung aufeinander, die mit dem Hochglanzbetrieb hadern – und doch mittendrin stecken. Deren Verlangen nach Barfuß-Spiel und rauem Sound längst zum merkantilen Alleinstellungsmerkmal stilisiert ist. Und die sich trotzdem eine eigene Art von Freiheit bewahrt haben. Vor dem Konzert in der Elbphilharmonie hat Antonini im so genannten »Green Room« des Hauses, gleich neben der Bühne, ein wenig Zeit. Er schließt die Tür und wir reden uns eine halbe Stunde durch den Garten, das Programm, das überflutete Venedig und das Ende der Menschheit. Er spricht leise und mit wachen Augen.


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... hat französische und deutsche Literatur sowie Kulturmanagement in Bonn, Paris und Hamburg studiert. Heute arbeitet sie als freie Journalistin, Kuratorin und Dramaturgin im Bereich klassischer Musik. Unter anderem ist sie für die Donaueschinger Musiktage oder die Elbphilharmonie tätig, kuratiert die Philosophiereihe »Bunkersalon« mit dem Ensemble Resonanz, entwickelt die globale Konzertreihe »Outernational« und schreibt für das VAN Magazin.