Es sind kultische Insignien der Verehrung, der Huldigung, sogar der Anbetung. Sie schlagen einem überall entgegen, wo von klassischer Musik die Rede ist: aus Gesprächen mit dem Publikumsnachbarn und der Studienkollegin, aus wortgewaltigen Konzertankündigungen, Pressemeldungen und Künstlerbiographien, aus Rezensionen in den einschlägigen Feuilletons. Derzeit scheinen sie wieder gehäuft und geradezu inflationär aufzutreten: Etiketten, mit denen Berühmte gerühmt und Beliebte geliebt werden. Im Musikjournalismus und im Werbejargon der Agenturen und Konzertveranstalter wimmelt es geradezu von Meisterwerken, Wunderkindern, Genies, Jahrhundert- und Weltklassekünstlern; kein Superlativ ist drastisch genug. Aber wozu dient dieses reflexhafte Idealisieren der Akteur_innen auf den Podien und Opernbühnen? Der verbale Beifall scheint häufig ein Hierarchiegefälle zu implizieren, denn gelobt wird vorwiegend von unten nach oben – der Normalsterbliche verneigt sich vor der Diva, die ›irdischen‹ Texteschmieden kultivieren einen devoten Verherrlichungsgestus gegenüber den ›göttlichen‹ Solist_innen und Dirigenten. Dieser Essay versucht Ursachen und Psychologie der genannten Mechanismen zu ergründen und sucht nach möglichen Auswegen aus einer rezeptionsästhetischen Sackgasse.
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