Es sind kultische Insignien der Verehrung, der Huldigung, sogar der Anbetung. Sie schlagen einem überall entgegen, wo von klassischer Musik die Rede ist: aus Gesprächen mit dem Publikumsnachbarn und der Studienkollegin, aus wortgewaltigen Konzertankündigungen, Pressemeldungen und Künstlerbiographien, aus Rezensionen in den einschlägigen Feuilletons. Derzeit scheinen sie wieder gehäuft und geradezu inflationär aufzutreten: Etiketten, mit denen Berühmte gerühmt und Beliebte geliebt werden. Im Musikjournalismus und im Werbejargon der Agenturen und Konzertveranstalter wimmelt es geradezu von Meisterwerken, Wunderkindern, Genies, Jahrhundert- und Weltklassekünstlern; kein Superlativ ist drastisch genug. Aber wozu dient dieses reflexhafte Idealisieren der Akteur_innen auf den Podien und Opernbühnen? Der verbale Beifall scheint häufig ein Hierarchiegefälle zu implizieren, denn gelobt wird vorwiegend von unten nach oben – der Normalsterbliche verneigt sich vor der Diva, die ›irdischen‹ Texte­schmieden kultivieren einen devoten Verherrlichungsgestus gegenüber den ›göttlichen‹ Solist_innen und Dirigenten. Dieser Essay versucht Ursachen und Psychologie der genannten Mechanismen zu ergründen und sucht nach möglichen Auswegen aus einer rezeptionsästhetischen Sackgasse.


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… Wendelin Bitzan ist Musiker, Musikforscher und digitaler Urheber. Er unterrichtet Musiktheorie und Musikwissenschaft an Hochschulen, spielt gelegentlich an öffentlichen Orten Klavier, redet und schreibt leidenschaftlich gern über Musik und setzt sich für die Interessen freischaffender Musiker:innen ein.