Neben den Jungregisseur/innen, die beim 69. Internationalen Filmfestival von Locarno um die goldene Pardo-Trophäe in feinstem italienischen Design antreten, ist die Retrospektive ›Geliebt und verdrängt: Das Kino der jungen Bundesrepublik von 1949 bis 1963‹ der Geheimtipp des Festivals gewesen. In der Adenauer-Ära war Deutschland ein riesiges Filmlaboratorium. Meint zum Beispiel der Filmkritiker Olaf Möller, der über 60 Schwarzweiß-Filme aus den Tiefen von Filmmuseen und Archiven wieder ans Licht geholt hat. Die Bandbreite an Themen ist unglaublich. Eine Frau wehrt sich im Wiederaufbauland gegen das Dekorweibchen-Image, ein Arbeiter wird Spielball eines Huts, das bundesdeutsche Geschäft mit der atomaren Aufrüstung wird zu einem Krimi, Autobahnen zu Sehnsuchtsfluchten, das Phänomen Geschwindigkeit oder neue Kommunikationstechniken werden zu filmischen Experimenten. Die Musik spielt eine zentrale Rolle. Beispielsweise für den deutschen Regisseur Edgar Reitz. Ende der 1950er hat er sich an der Filmgeschichte der BRD mit experimentellen Kurzfilmen beteiligt. Und sitzt im Sommer 2016 in der Kurzfilme-Jury. Sabine Weber war in Locarno und hat mit Reitz und Möller gesprochen.
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