Nicht gerade einfacher geworden, über Falstaff zu lachen in einer Zeit, in der ein moralloser Molch nicht in der Themse und im Spott landet, sondern beispielsweise Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird. Andererseits könnte einen dieser Falstaff natürlich auch anderer, vielleicht bloß vorgestellter Zeiten gemahnen, als Halunkerei und Ritterlichkeit einander nicht ausschlossen: einschließlich der Tatsache, dass hier ein liederlicher Lump eine Niederlage auch akzeptiert, statt alle Regeln zu verbiegen oder gar das Spielbrett des Lebens vom Tisch zu fegen. Sodass man am Ende gemeinsam ein Fest feiern kann: Tutto nel mondo è burla!
In Belgien, das als nationale Spezialitäten (neben Art Nouveau) deliziöses Welterbe wie Fritten, Starkbier, Waffeln und Pralinés verheißt, ist dieser schlemmende und bechernde Sir John Falstaff natürlich am rechten Ort. In Geldnöte geriete er aber angesichts der Brüsseler Starkbierpreise auch hier wieder und erst recht. Local Spirit und auch konkrete politische Aktualität halten sich in der neuen Brüsseler Falstaff-Inszenierung allerdings in Grenzen: schon weil sie ursprünglich ein Madrider Falstaff ist, nämlich eine Koproduktion mit dem Teatro Real, dort bereits 2019, die coronaverzögert erst fünf Jahre später als geplant nach Brüssel kommt. An einem jener autofreien Sonntage übrigens, die hier tatsächlich so autofrei sind, dass es, wie die ganze Brüsseler Verkehrswende, uns kerosinverschnüffelte Deutsche vor Neid erblassen lassen muss.

