In Hamburg fand am 11. April ein weiterer Bunkersalon statt, Gastgeber wie immer: Das Ensemble Resonanz und euer kleines Klassikmagazin. Dieses Mal ging es um die Frage, was Herkunft mit Identität und Musik wiederum mit Herkunft zu tun hat. Auf der Bühne des Resonanzraumes saßen der katalanische Alte-Musik-Guru, Dirigent und Gambist Jordi Savall, die Multiinstrumentalistin, Veddelerin und Wahlberlinerin Derya Yildirim und der Philosoph und Schriftsteller Senthuran Varatharajah. Hier gibt es die Nachlese, in Bild, Wort und Ton. Moderatorin war Sylvie Kürsten. Sonische Einschübe und weitere Kommentare kamen von Tim-Erik Winzer.

Moderation Sylvie Kürsten · Textfassung VAN-Redaktion · Fotos © JANN WILKEN · DATUM 19.4.2017

Wir haben euch gebeten, Stücke mitzubringen, die eure Identität oder Teile davon repräsentieren.

Jordi Savall: Ich bin mir sicher, dass ich heute bin, wer ich bin, weil meine Mutter eine Sängerin war. Ich spiele jetzt ein Lied, das ich sehr wahrscheinlich als Kind gehört habe. Das ist das Wunderbare an der Musik: Man kann von einer einzigen Stimme so tief berührt werden wie von einer Sinfonie der Tausend.

Jordi Savall
Jordi Savall
Jordi Savall spielt ein Lied, das er sehr wahrscheinlich als Kind gehört hat.

Senthuran Varatharajah: Das Stück, das ich mitgebracht habe, ist von Nirvana, vom erstem Album Bleach. Als ich auf die Band gestoßen bin, war ich 13 oder 14. Meine Brüder und ich hörten früher viel R’n’B und Westküstenrap. Im Drogeriemarkt Müller habe ich mit 13 oder 14 einmal das Label ›Indie‹ erblickt. Weil meine Eltern und ich nicht nach Sri Lanka gehen konnten (Anmerkung: Varatharajahs Familie ist, als er vier Monate alt war, vor den Verfolgungen und dem Morden in Sri Lanka geflohen), haben wir jeden Sommer in Indien verbracht. Und ich dachte ›Indie‹ würde sich von Indien ableiten. Dann stand ich vor ›Nirvana‹. Das war Teil eines Vokabulars, das mir wiederum vertraut war aus dem Buddhismus, aus dem Hinduismus. Und ich dachte mir: ›Ok, Nirvana, dann hör ich’s mir mal an.‹

Nirvana, Paper Cuts

Derya Yildirim: Ich habe ein türkisches Kunstlied mitgebracht. Ich bin mitten in meinem bisher intensivsten Prozess der Identitätsfindung. Für mich ist Identität alles mögliche. Ich könnte jetzt auch ein klassisches Stück auf dem Klavier spielen. Aber das, was meine Seele widerspiegelt, was ein großer Teil meiner Identität ist, ist die türkische Musik; Klänge, die mich daran erinnern, wie ich fühle oder wie meine Vorfahren fühlen. Ich mag den Klang der Oud im Moment sehr gerne. Das Stück, das ich mitgebracht habe, ist ein Liebeslied.

Derya Yildirim
Derya Yildirim
Derya Yildirim spielt ein Liebeslied

Tim-Erik Winzer: Für mich war es alles andere als selbstverständlich, ein klassischer Musiker zu werden, aber es kam irgendwann der Moment, an dem ich auch in der klassischen Musik die Freiheit und den Ausdruckswillen entdeckt habe, den man vielleicht eher in Stilen finden kann, die eine orale Tradition haben, zum Beispiel Volksmusik. Wenn ich darüber nachdenke, lande ich regelmäßig bei sehr epischen Stücken – zum Beispiel dem Schubert-Streichquintett, da dauert jeder Satz mindestens 10 Minuten – eine Minute daraus zu hören, macht keinen Spaß. Aber wenn Sie jemals die Gelegenheit haben, die Aufnahme mit dem Raphael Ensemble zu hören – tun Sie das, die ist Wahnsinn!

Tim-Erik Winzer
Tim-Erik Winzer

Stiftet Musik Identität? Oder ist sie Ausdruck davon?

Savall: Wenn unsere Mutter sagt: ›Oooh, wie schön bist du!‹, hören wir: ›Laaa, la la la la!‹ (ahmt die Sprachmelodie nach). Das Kind versteht die Liebe, die wir in die Musik der Worte legen. Und diese Musik macht uns zu Menschen. Diese Musik ist die Übertragung der Emotionen und durch die Emotionen entwickeln wir unsere Menschlichkeit.Ich würde sagen: Die Musik ist vielleicht von allen Sprachen die, die am Stärksten die Seele eines Menschen – einer Kultur – zeigt. Wenn Sie eine Kultur kennenlernen möchten, hören Sie ihre Musik! Eine Melodie von Schubert zeigt am besten, was die deutsche Kultur ist. Aber auch eine Duduk mit einer armenischen Melodie zeigt am besten, was die Identität der Armenier ist.

Varatharajah: Ich würde sagen, Döner ist für mich auch ziemlich deutsch (Lachen im Saal). Was für mich musikalisch Deutschland repräsentiert heute, ist Haftbefehl.

Spielt das für eure Identität denn eine Rolle, dieses Narrativ der Nation?

Savall: Je globalisierter die Welt ist, desto mehr müssen wir wissen: Wohin gehören wir? Das bedeutet nicht, dass wir nationalistisch werden. Aber ich glaube, dass es in dieser Welt, in der wir multikulturell sehr stark von überall beeinflusst werden, wichtig ist, dass jeder Mensch weiß, aus welchen Wurzeln er erwächst. Dann können wir Einflüsse anderer Wurzeln, anderer Kulturen aufnehmen.

Yildirim: Mich trifft, was du gerade gesagt hast – dass die Voraussetzung, andere Kulturen aufzunehmen, sei, dass man weiß, woher man kommt. Das hat mein Papa mir kürzlich auch gesagt, als wir über türkische Politik diskutiert haben: ›Du darfst nicht vergessen, woher du kommst.‹ Und dann hab ich erstmal überlegt: Woher komme ich eigentlich? Ich hab keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Nur weil ich jetzt türkische Musik spiele, heißt das nicht, dass ich aus der Türkei ›komme‹. Es ist einfach irgendetwas dazwischen. Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen mit der türkischen, aber auch mit klassischer, europäischer Musik. Ich frage mich: Warum stellt man sich die Frage? Das ist mein Problem gerade. Weil: Da muss ja was dran sein, wenn mein Papa das gleiche sagt wie du, Jordi.

Sylvie Kürsten und Jordi Savall
Sylvie Kürsten und Jordi Savall

Varatharajah: Ich sehe auch vieles davon anders. Ich glaube nicht, dass man wissen braucht, woher man kommt, um offen zu sein für Neues. Wir haben eine Art, über Identität und Kultur zu sprechen, als wüssten wir, wo die Grenzen verlaufen – ich weiß es nicht. Wenn ich gefragt werde, woher ich komme, ist die ehrlichste Antwort: ›Aus dem Vergessen‹. Warum? Weil es 30 Jahre lang Krieg in Sri Lanka gab, weil die singalesische Armee 80.000 bis 100.000 Menschen getötet hat. Wenn man heute in Sri Lanka ist, in Jaffna, der Stadt, in der ich geboren wurde und die ich mit vier Monaten verlassen habe sieht man, dass Denkmäler für die gefallenen Menschen aufgestellt worden waren, die die singalesische Regierung wieder zerstört hat. Aber sie hat sie nicht einfach zerstört, sie hat die Sockel übriggelassen, damit man daran erinnert wird, dass ›wir die Erinnerung zerstören können, dass wir darüber bestimmen, was die Erinnerung ist‹.Ich glaube, wir haben so eine Vorstellung von einer additiven Identität. In der Identitätsforschung spricht man von ›hybrider Identität‹. Man sagt dann zum Beispiel, jemand sei eine Deutschtürkin. Ich komm dann immer gern mit dem Beispiel meiner Freundin, die tatsächlich auch ›eine Deutschtürkin‹ ist – sie ist geboren in Izmir, mit fünf Jahren ist sie nach Deutschland gekommen, aufgewachsen in Osnabrück und in Erfurt. Sie ist aber nicht einfach nur eine Türkin, sondern sie ist eine Kurdin, sie ist Alevitin. Und sie ist Atheistin (Lachen im Saal). Also, wenn ich jetzt sagen würde, jemand ist ein Deutschtürke, was würde ich über die Person aussagen? Nichts. Wenn wir also von diesem additiven Verständnis ausgehen, dann rekurrieren wir auf die Kategorien von Nationalstaatlichkeit, Religion und Ethnie. Aber ich glaube, wir sind wesentlich mehr als nur das. In Deutschland gibt es zwei Arten, über Identität zu sprechen: Entweder ist es die Blut-und-Boden-Ideologie – und bis vor kurzem war auch das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht an das Blut gebunden – oder man versteht es diskursiv-prozessual. Wir haben da merkwürdige Redewendungen, die für mich logisch gar keinen Sinn ergibt: Man sei auf der Suche nach einer Identität. Ich stelle mir dabei immer vor, wie jemand mit der Wünschelrute durch den Wald geht und dann liegt sie irgendwann fertig verpackt als Geschenk da und er kann sie sich einverleiben oder anziehen. Natürlich ist Identität immer ein unabgeschlossener Prozess. Ich glaube nicht, dass wir Identität verwechseln dürfen mit der Suche nach einem Ursprung.

Handelt davon auch dein Buch?

Varatharajah: Der Roman ist letztes Jahr erschienen, heißt ›Vor der Zunahme der Zeichen‹ und besteht aus einem Gespräch, das zwei Menschen miteinander führen. Der eine ist in den 1980er Jahren mit seiner Familie aus Sri Lanka geflohen, die andere aus dem Kosovo. Es geht unter anderem darum: Ist die deutsche Sprache fähig, diese Erfahrungen von Vertreibung, Völkermord, Krieg, vom Aufwachsen im Asylbewerberheim, zu kommunizieren? Oder: Was muss mit der Sprache gemacht werden, wie muss sie grammatikalisch an die Ränder gebracht werden, um einen Ausdruck für diese Erfahrung zu finden? Das Gespräch findet auf Facebook statt. Ich lese eine Passage vor, in der der männliche Erzähler ihr von seinem Vater erzählt.

Senthuran Varatharajah
Senthuran Varatharajah
Senthuran Varatharajah liest aus seinem Roman Vor der Zunahme der Zeichen (erschienen 2016 bei S.Fischer)

Varatharajah: Wenn man aus einer Familie kommt, in der es eine Fluchterfahrung gibt, dann gibt es diese eine Erzählung nicht, die die Familienbiografie darstellt, sondern eine unfassbare Vielzahl an parallel existierenden Geschichten. Wir können uns nicht darauf berufen, weil in diesen Familien ein unglaubliches Schweigen herrscht angesichts dessen, was passiert ist. Das heißt, es gibt keine Alternative dazu, eine neue Sprache zu finden, eine neue Erzählung zu finden. Letzten Endes handelt ein solches Buch dann nicht nur von Flucht und dem Sprechen vom Tod, sondern grundlegend von der Einsamkeit – der Einsamkeit des Körpers, aber vor allem der Einsamkeit der Sprache.

Derya Yildirim
Derya Yildirim

Derya, machst du türkische Musik?

Yildirim: Ich habe türkische Musik zuhause in Hamburg gelernt ohne die Türkei zu besuchen. Niemand hat mir den türkischen Gesang beigebracht. Mein Vater hat mich jeden Freitag Abend, seit ich sechs Jahre alt war, zu diesem türkischen Chor mitgeschleppt. Und dann hat sich das immer so weiterentwickelt. Ich mache türkische Musik in Deutschland in einer Community in Hamburg und ohne so etwas wie ein ›Fundament‹, das mit den Dörfern meiner Großeltern zu tun hat. Was ich jetzt vorspiele, ist türkische Psychedelic Folk Musik von meiner Band. ›Nem Kaldı› heißt auf Deutsch: ›Was hab ich übrig auf dieser Welt?‹ Weil: Das lyrische Ich hat alles verloren. Aber ich interpretiere das Gedicht so, dass er zwar alles verloren hat, aber er hat immer noch einen Kopf, der eben nicht funktioniert, oder er hat ein Herz, das verletzt ist. Also hat er ja gar nichts verloren, sondern er hat seine Wunde, die trägt er mit sich. Das ist er.  

Derya Yıldırım & Grup Şimşek, Nem Kaldı 

Yildirim: Das Intercommunal Orchestra wurde eigentlich zusammengebastelt von Sebastian Reier für das New Hamburg Festival vom Schauspielhaus vor drei Jahren auf der Veddel, wo wir mit Bewohnern der Veddel gearbeitet haben. Und ich bin Veddelerin, ich komm von der Veddel, und bin wahrscheinlich auch die einzige Musikerin, mit der man da irgendwie was machen konnte. Sebastian hat dann gesagt: ›Hier, da ist unsere Hausband, mach mal was! Lass dich doch mal inspirieren von diesem oder jenem Song.‹ Das türkische Lied Gurbet handelt von Heimweh und Heimat und so hat das Ganze angefangen.

Derya Yildirim und das Intercommunal Orchestra, Gurbet

Das ist ein Lied aus den 70ern, eigentlich ein Lied für einen Film, das die Zeit der Gastarbeiter widerspiegelt. Ich habe bisher überhaupt nichts gewusst von dem Song. Dank Sebastian konnte ich die Musik dieser Zeit entdecken. Und dann haben wir angefangen, immer mehr solcher Stücke zu spielen. Die Bandmitglieder sind alles andere als türkisch, das kommt auch noch hinzu. Wir haben zwei Franzosen, einen Italiener und eine Engländerin und ich als ›Deutschtürkin‹.

Es ging jetzt um Familienbiografien. Jordi, du beschäftigst dich nochmal auf eine andere Art mit Geschichte in deinem aktuellen Projekt ›Routen der Sklaverei‹.

Savall: Alexander von Humboldt sagte, ›Menschen, die die Geschichte nicht kennen, können keine Zukunft aufbauen‹. Und das gilt auch für uns persönlich, nicht nur als Nation. Ich glaube, wir können unsere Zukunft nur als eine positive aufbauen, wenn wir unsere Geschichte kennen, nicht nur die von gestern, sondern über eine lange Zeit hinweg. Das versuche ich, mit Projekten wie der Sklavenroute: die Geschichte aufzufrischen. Wenn wir ein 100, 200 oder 500 Jahre altes Lied hören, sind wir von der gleichen Emotion betroffen wie die Menschen in dieser uralten Zeit. Mit der Musik können wir in der Zeit reisen, in andere Epochen. Morgen in der Philharmonie hören wir zum Beispiel die Villancico de Negros von 1700 und wir empfinden die gleiche Emotion wie die Menschen im 17. Jahrhundert. Dann können wir zusammen mit den Texten, die wir lesen, realisieren, wie diese Tragödie sich verbreitet hat. Eines der größten Probleme heute ist die Flucht wegen der Kriege in afrikanischen Ländern. Aber wer erinnert sich heute, dass die wichtigen Nationen in Europa 500 Jahre lang 30 Millionen Afrikaner versklavt haben und diese 30 Millionen Menschen von Afrika in die Neue Welt, in die Minen und Plantagen gebracht haben, wer erinnert sich heute daran? Wenn ich diese armen Afrikaner sehe, die nach Melilla an der spanischen Grenze zu Marokko kommen – niemand erinnert sich, dass wir die Großväter dieser Menschen versklavt haben. Das ist meine Idee: Wir müssen aus der Geschichte lernen, um eine Zivilisation zu schaffen, in der wir mehr Kapazität haben, zu verstehen und gerecht zu sein.

Varatharajah: Es gibt diesen Aufsatz von James Baldwin, dem großen amerikanischen Schriftsteller, Notes of a Native Son, wo er davon erzählt, dass die weißen Amerikaner zu ihm sagen: ›Du musst dich identifizieren mit dem afrikanischen Stamm, von dem du gekommen bist.‹ Und er sagt dann: ›Wie soll ich das machen? Es gab einen transatlantischen Sklavenhandel, es gibt diese historische Beziehung nicht. Die ist gekappt worden. Was mich geprägt hat, das ist nicht irgendein Stamm, wie ihr sagt, sondern das ist Beethoven, Rembrandt, das Empire State Building.‹ Und was mich geprägt hat, ist nicht der Hinduismus meiner Eltern, sondern: Schostakowitsch, Nirvana, Hegel. Das ist Teil von mir, auch wenn es andere mir nicht zuerkennen. Eine kleine Anekdote, die ich immer erzähle: Ich bin mit vier Monaten in dieses Land gekommen. Ich bin deutscher Staatsbürger, seitdem ich zehn Jahre alt bin, hab hier Schule und Universität durchlaufen, so wie es sich für einen integrierten Ausländer gehört. Dieses Buch ist seit einem Jahr draußen. Es wurde ganz gut aufgenommen und selbst jetzt kommen Journalistinnen und Journalisten großer Radio- und Fernsehsendern oder Zeitungen auf mich zu, die das Buch kennen, die wissen: Ich bin hier aufgewachsen, ich lebe hier seit fast 33 Jahren. Und die sprechen mich auf Englisch an!

Derya Yildirim
Derya Yildirim

Ich möchte nicht in der Situation sein, dass ich das immer verteidigen muss, weil’s mir eigentlich egal ist. Aber ich weiß: Es geht hier nicht nur um mich. Die Schwierigkeit besteht darin, dass es in Deutschland keine dunkelhäutigen Schriftstellerinnen und Schriftsteller gibt, die sogenannte ›anspruchsvolle Literatur‹ machen. Das heißt: Für die Menschen ist das eine kognitive Dissonanz. Sie glauben, diese Dinge schließen sich aus. Sie denken, jemand mit einem dunklen Körper verkauft entweder Drogen oder macht Modern Dance. Es geht darum, Räume zu öffnen für andere Menschen, das ist die politische Arbeit, die geleistet werden muss. Hab ich drauf Lust? Nein! Muss ich das machen? Ja!Was Identität sein könnte, ist ein Knotenpunkt von unterschiedlichen Linien, die sich verwickeln, wir können die nicht mehr auseinanderzerren. Ich betone auch aus einem politischen, strategischen Impuls immer wieder: ›Wir sind mehr als nur unsere Herkunft. Wir sind Teil dieser Gesellschaft und das nicht erst seit Kurzem.‹ Es wird ja immer so getan, als würden erst seit 2015 Menschen in dieses Land kommen. In dieses Land und das, was dieses Land einmal war, sind immer Menschen gekommen: die Hugenotten, die sogenannten Ruhrpolen, die sogenannten Spätaussiedler, die Gastarbeiter die Boatpeople, you name it! Wir sind Teil dieser Gesellschaft. Wir haben diese Gesellschaft aufgebaut – und das müssen wir auch so sagen können! Dass diese Philosophie-Ideengeschichte auch unsere Geschichte ist, dass wir genauso ein Recht haben, darüber zu sprechen in dieser Sprache, weil diese Sprache weder den sogenannten Deutschen, noch mir gehört. Sprache gehört niemandem. Gerade deswegen können wir reden. ¶

Derya Yildirim und Jordi Savall
Derya Yildirim und Jordi Savall
Improvisation von Derya Yildirim und Jordi Savall