Am 12. Januar eröffnete das Ensemble Resonanz den Kleinen Saal der Elbphilharmonie, wir berichteten von den Proben. Einen Tag danach versammelten das Ensemble und VAN – jetzt wieder im resonanzraum im Bunker an der Feldstraße – etwa 100 Gäste und drei Diskussionsteilnehmer, um über das Thema Resonanz zu sprechen: Hartmut Rosa, Soziologe und Autor des Buches Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung, Georg Friedrich Haas, Komponist, dessen Werk Release am Vortag Uraufführung feierte und Tobias Rempe, Geschäftsführer des Ensemble Resonanz. Elisa Erkelenz moderierte die Diskussion, Bratscher Tim-Erik Winzer lieferte akustische und sprachliche Interventionen. Lesen Sie hier unsere gekürzte und textlich bearbeitete Fassung des Gesprächs mit Soundschnipseln vom Abend.

VAN: Was ist denn eigentlich Resonanz?
Hartmut Rosa: Also erst einmal ist Resonanz eine Metapher aus dem Akustischen, die sich gut anwenden lässt, wenn man Soziologie betreibt. Aber ich habe versucht, den Begriff aus dem Reich der Metapher herauszuholen und als spezifische Form der Beziehung zu definieren. Laut dieser Definition ist Resonanz eine Beziehung zwischen zwei Entitäten – Menschen, Klangkörpern –, die sich wechselseitig berühren, ohne dass sie einander etwas aufzwingen. Zwei Klangkörper, die miteinander in Resonanz treten, beeinflussen sich wechselseitig, lassen sich vom anderen erreichen, antworten darauf – aber in einer jeweils eigenen Frequenz oder Stimme. Es geht darum, dass man die eigene Stimme hörbar machen kann und mit einer anderen Stimme, die man als Anderes erfährt, in ein Verhältnis setzt, das einen wiederum berührt und dadurch irgendwie zu verändern vermag. Wobei dann zu dem Begriff von Resonanz für mich immer auch ein Moment von Unverfügbarkeit gehört. Man kann nicht sagen, wann sie sich einstellt und was dabei herauskommt.

