Es ist klischeehaft zu behaupten, dass man einen Künstler »entweder liebt, oder ihn hasst«. Über Brian Ferneyhough zu sprechen verlangt größere Präzision. Kaum jemand bezweifelt, dass sein Werk meisterhaft ist – anstatt seine Musik also zu lieben oder sie zu hassen, verehrt man sie entweder oder lehnt ihre Prämissen grundsätzlich ab. Es ist schwierig ein Gespräch mit Komponistinnen oder Komponisten zu führen ohne irgendwann zu merken, wie sie zu Ferneyhough stehen. Wie immer, wenn man über Musik redet, geht dabei aber oft etwas verloren: der Effekt, den die Musik beim Hören hat. Ferneyhoughs Stück Bone Alphabet etwa ist primitiv und kompliziert zugleich, ähnlich einer ethnomusikologischen Aufnahme einer hochentwickelten, fremden Zivilisation. Seine Kompositionen sind einzigartig in der Art und Weise, in der sie das Gehirn fordern. Wie Arthur Kampela in seiner Playlist für VAN über den Eindruck schrieb, den Ferneyhoughs Orchesterstück La terre est un homme bei ihm auslöste: »Man kommt in einen geistigen Zustand, in dem man gleichzeitig Dinge hört und versucht sich daran zu erinnern, was man gerade gehört hat. Es ist fast so, als könnte man die Klänge sehen.«
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