Vielfalt der parallelen Sonntagnachmittagsbeschäftigungen einer normalen Berliner Familie: Unsere Kinder schauen im Zoopalast den »Mighty Kinofilm« Paw Patrol, während meine Frau und ich uns fünf Kilometer weiter östlich das Mighty Barockwerk Rosenkranz-Sonaten reinziehen, Geigenfingerpatrouille der Sonderklasse. Der herzige Welpenreißer dauert 95 Minuten, der herzinnige Biberschlager satte 210. Allerdings inklusive Pausen und Nachstimmen. Letzteres nimmt bei Darmsaiten bekanntlich etliche Minuten in Anspruch, die sich auf Dauer zu geschlagenen Viertelstunden summieren. Spätestens vor dem auferstehenden Surrexit Christus hodie oder der himmelfahrenden Aria Tubicinum wird die sich wiederholende Stimmerei selbst zu Andacht und Meditation, zu purem Musikhören. Zumal bei Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704), dessen Exzess- und Experimentierlust rege und findige Gegenwartskomponisten erstmal nachmachen müssen.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com