Dreieinhalb Wochen nach Ausbruch der landesweiten Proteste im Iran bleibt die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Mullah-Regimes unerfüllt. Wie schon 2023 während der »Frau, Leben, Freiheit«-Bewegung hat das Regime in den letzten Wochen alle Demonstrationen mit skrupelloser Brutalität niedergeschlagen. Weil zugleich Internet und Telefonleitungen abgeschaltet sind, gibt es kaum Zugang zu verlässlichen Informationen. Nach Angaben der in den USA ansässigen Nichtregierungsorganisation Human Rights Activists News Agency(HRANA) wurden bislang 4.029 Todesfälle bestätigt, 9.049 weitere werden noch geprüft. Außerdem sind 5.811 Schwerverletzte und 26.015 Festnahmen dokumentiert [Stand 20. Januar]. Andere Quellen gehen von mindestens 16.000 Toten und 330.000 Verletzten aus. 

»Vor allem jedoch möchte ich Euch zurufen, dass ich, obwohl am anderen Ende der Welt, in meinen Gedanken, in meinem Herzen die ganze Zeit bei Euch bin. Millionen Iraner im Exil und selbst in den nachfolgenden Generationen – und mögen die Kinder nicht einmal mehr Persisch sprechen –, sie sind jetzt vereint mit Euch.« Das schrieb Navid Kermani vor einer Woche in einem Gastbeitrag für die ›Süddeutsche Zeitung‹ – und traf vermutlich die Gefühlslage vieler Exil-Iraner:innen. Ich spreche darüber mit der Geigerin Ava Bahari. Sie wuchs in Schweden als Tochter iranischer Eltern auf, die Ende der 1980er Jahre im Zuge des Iran-Irak Kriegs emigriert waren. Bahari studierte bei Kolja Blacher an der Hochschule für Musik Hanns Eisler, 2024 machte sie dort ihr Konzertexamen. Derzeit ist sie für zwei Jahre Artist in Residence bei den Göteborger Symphonikern. In dieser Saison tritt sie außerdem noch – unter anderem – mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, dem Orchestre de Paris und dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra auf. Für die nächste Saison wurde die 29-Jährige von der European Concert Hall Organisation (ECHO) in das Förderprogramm »Rising Stars« aufgenommen. Ich erreiche sie per Zoom in ihrer Berliner Wohnung. 


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert. hartmut@van-verlag.com