In fast jeder Symphonie von Dmitri Schostakowitsch und Sergei Prokofjew kommt etwas irgendwie »Militärisches« mit hinein, abzulauschen beispielsweise am Einsatz der Militärtrommel, einem Marschrhythmus und weiterer martialischer Implikationen. (Ausnahmen wie beispielsweise Prokofjews Erste, die Symphonie classique, bestätigen die Regel.) Häufig werden dann gerade jene Sätze dieser zwei großen russischen Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich wohl nicht gerade hold waren, als »politisch« beschrieben; »politisch« in dem Sinne, dass in der absichtlich verzerrten oder einfach grandios übertriebenen »Darstellung« von Kriegsgeschehnissen oder Einmärschen musikalisch das Element des »Kritischen« herauszuhören sei. (So jedenfalls das Wunschdenken vieler Musikinterpretierenden.) »Kritisch« gegenüber den Kriegstreibern, gegen den Nationalsozialismus drüben, gegen Diktatur allgemein? Auch kritisch gegen Lenin und Stalin? Eine schwierige Frage. Man streitet sich. Letztlich sitzt man im Konzertsaal und denkt sich seinen Teil. (Oder auch nicht.)
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