Seien wir mal ehrlich. Richard Strauss ist gepimpter Richard Wagner. Und Sergei Rachmaninows Werke irgendwie ein »Frédéric Chopin 2.0«. Klingt schlimm, ist aber so. Und gar nicht böse gemeint! Strauss plusterte die Tonsprache der Musikdramen Wagners, die Leitmotivtechnik übernehmend, auf – und machte das Ganze für das Orchester noch vertrackter, derweil die Sänger*innen ähnliche Schwierigkeiten zu bewältigen haben: Sie müssen schreien, wie bei Wagner. Rachmaninow fügte dagegen kleine – gerne chromatische, also engschrittige – Mittelstimmen in den Klaviersatz ein und verdoppelte Bässe und Akkorde (bis er dann und wann vier Notensysteme dafür brauchte); vielleicht auch, um nicht »Salonkomponist« genannt zu werden. Dabei ist eh alles vollgriffiger und noch krasser gegen die Wand geklatscht komponiert als bei seinem polnisch-französischen Kollegen. Also irgendwie schön polnisch-russisch: Pathos! Unglück! Freude am Verzweifeln.
Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.
Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv
VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.
