In den 1980er Jahren erschienen in ernstzunehmenden Medizin-Fachzeitschriften eine Hand voll Publikationen, in denen Wolfgang Amadeus Mozart mit dem Gilles-de-la-Tourette-Syndrom in Verbindung gebracht wurde; mit einer Erkrankung also, der in den letzten zwei Jahrzehnten – primär durch entsprechende thematische Spielfilme und Dokumentationen – durchaus so etwas wie »gesellschaftliche Präsenz« zuteil wurde.
Den »Nachweis« bezüglich des vermeintlich posthum diagnostizierten Tourette-Syndroms Mozarts versuchte man nicht etwa anhand von dessen schweinischem Kanon Leck mich im Arsch oder Ähnlichem zu erbringen, sondern mittels der Lektüre der Briefe an seine – »Bäsle« genannte – Cousine Maria Anna Thekla Mozart. In den »Bäsle-Briefen« verwendet der Komponist bisweilen derbe Worte aus dem Themengebiet »Ausscheidungen«, was – nach Ansicht der damals publizierenden Wissenschaftler:innen – auf das Tourette-Symptom der »Koprolalie« (dem häufigen Aussprechen obszöner Worte für Verdauungsvorgänge und Co. bei Betroffenen) verweisen könnte; außerdem zog man anekdotische Schilderungen hinzu, nach denen der junge Mozart plötzlich Katzenlaute am Cembalo ausstieß: ein vorgeblicher Hinweis auf ein weiteres Symptom der Tourette-Erkrankung, nämlich dem der »vokalen Tics«.

