Der »Empfindsame Stil« leistete sich zur literarischen Sturm-und-Drang-Zeit krasse kompositionsgeschichtliche Neuerungen. Schrieb man im gediegenen Barock noch häufig gelehrsam, kontrapunktisch astrein und mit Blick auf den (perlenden) Fluss, so wurden bei den »Empfindsamen« überraschende Pausen, staunenmachende Laut-Leise-Kontraste und tränen- und schweißgetränkte Seufzermotive zu Kennzeichen des neuen Stils. Interessierten sich Königinnen und Könige, Fürstinnen und Fürsten und andere potentielle Auftraggeber:innen plötzlich so sehr für den individuellen, in Musik ausgedrückten Gefühlshaushalt der Komponierenden? Wie angesichts der Renaissance stand die Emotionalität des kunstschaffenden Subjekts offenbar wieder auf der Türschwelle der auditiven Empfänglichkeit. Empfänglicher Stil. Herein denn!
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