Vor fast genau 300 Jahren – am 24. März 1721 – setzte es was. Beziehungsweise: ER! Und zwar Johann Sebastian Bach den Titel »Six Concerts | Avec plusieurs Instruments. | Dediées | A Son Altesse Royalle | Monseigneur | CRETIEN Louis. | Marggraf de Brandenbourg &c: &c: &c: | par | Son tres-humble & tres obeissant Serviteur | Jean Sebastien Bach, | Maitre de Chapelle de S. A. S. le | Prince regnant d’Anhalt-Coethen.« über eine Sammlung von sechs Konzerten. Sechs spätbarocke Influencer mit etwas unterschiedlichen Besetzungen.
Die Widmung galt dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt (1677–1734), wobei nicht alle Stücke extra zum Anlass dieser Zueignung komponiert worden waren; Bach bediente sich teilweise früherer Werke oder Werkteile: eine lange Zeit völlig übliche Praxis, die im »Barock« nicht mit entsprechenden, vom dunklen 19. Genie-Jahrhundert ge- und überzeichneten Abwertungen hinsichtlich der ästhetischen Qualität einherging. Musikalische Parts aus Vorangegangenem zu verwenden (in Instrumentation, Lage, Tonart und in diversen Details vielleicht zu verändern): ein rational-ordnender Akt ohne Gefühl; Entschuldigung, ohne Gefühl eines »Verlusts« (dafür: Zeitgewinn; bedenken wir: Die Menschen damals hatten wahrscheinlich durchgehend Zahnschmerzen). Komponieren heißt: rational, klaren Kopfes sein, organisieren. Komponieren heißt: Alltag und Struktur; nirgendwo sonst in der Kunst gibt es so wenige Suizide wie unter Komponierenden. Strukturen formen den Geist. Und gelegentliches »copy and paste« gehört dazu. Copy und Geist.

