250 Komponistinnen. Folge 46: Eine Pianistin, Komponistin, Sängerin, Lehrerin, Salonnière und Pionierin der Blindenbildung.
Maria Theresia von Paradis – das »von« dichtete man ihr trotz nicht-adeliger Herkunft an – wurde am 15. Mai 1759 in Wien in einen kinderreichen Haushalt hinein geboren. Ihr Vater war der Wiener Hofbeamte Joseph Anton Paradis, ihre Mutter dessen Gattin Maria Rosalia. Im Alter von drei Jahren erblindete Paradis vollständig. In einer Zeit, in der Menschen mit körperlichen und seelischen Herausforderungen häufig noch dem Lichte der Öffentlichkeit schamvoll entzogen wurden, hatte Paradis das Glück, dass man ihr – ihre gesellschaftlich hoch angesehene Familie und die entsprechend wohlhabende Herkunft spielten dabei eine gewichtige Rolle – eine ausgezeichnete musikalische Ausbildung angedeihen ließ. Paradis’ Onkel Leopold war ein bekannter Tänzer, der in Paris wirkte und 1776 eine Ballettschule an einem Moskauer Waisenhaus gründete. So war das Musische im Leben der Familie Paradis präsent. Paradis erhielt Unterricht bei dem bis heute durchaus durch Aufführungen seiner Werke gewürdigten böhmischen Komponisten und Lehrer Leopold Koželuh (1747–1818) sowie bei dem musikalisch vielfältig tätigen Georg Joseph »Abbé« Vogler (1749–1814), dem Lehrer von Berühmtheiten wie Carl Maria von Weber oder Giacomo Meyerbeer.

