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Titelbild dylan nolte/Unsplash (Public Domain)

Das Jahr 2020 ist für Kulturschaffende das bitterste in der europäischen Nachkriegsgeschichte. Heute hätte, morgen würde, eigentlich wäre … Das Jahr der Konjunktive. Projekte, Konzerte, Premieren, ganze Festivals. Außer Spesen nix gewesen. Und das Jahr der Gerüchte, des Viertelwissens, der Verschwörungsmythen, Verschwurbelungen, Missverständnisse, Miss-Verständigung, sogar: Miss-Achtung. Das Jahr der Aufgeregtheiten – über Existentielles und Nichtiges. Ein Jahr der Verzweiflung, der Verlorenheit, der Suche, der existentiellen Sorgen. Auch von mir. Denn ich bin selbständig, in der sogenannten »Hoch«-Kultur, der klassischen Musik. Ich kenne Musiker:innen, die trotz internationaler Karriere in Spitzenensembles jetzt Grundsicherung beziehen. Sänger:innen, die trotz guter Engagements in den letzten Jahren nun Lehrer:in werden wollen. Agenturen, die kurz vor der Pleite stehen. Und es gibt sehr viele Berufsgruppen, die nicht sichtbar sind und kaum eine Stimme haben, nicht nur in der Kultur. Drei Tage vor dem November-Shutdown war ich abends in einem Restaurant, in dem die Kellnerinnen fassungslos und den Tränen nah waren. Was ich damit sagen will: Verzweifelt sind auch andere. Das macht es nicht besser, aber wir dürfen das nicht übersehen.

Neben dem beklagenswerten Schicksal freiberuflicher Künstler:innen gibt es auch eine Parallelwelt, in der Mitarbeitende aufs Beste abgesichert sind – obwohl sie künstlerisch tätig sind. Bereits am 30. April dieses Jahres vermeldete die Deutsche Orchestervereinigung: »Gestern haben sich der Deutsche Bühnenverein auf Arbeitgeberseite und die Künstlergewerkschaften Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA), Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO) und Deutsche Orchestervereinigung (DOV) auf die Einführung von Kurzarbeit an kommunalen Theatern und Orchestern geeinigt.« Bei Aufstockung von 90–100 Prozent und selbstverständlich unter Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Am 1. Juli sind dann die Staatstheater nachgezogen. Freie Orchesteraushilfen und Solist:innen bekamen vielerorts nicht einmal einen Bruchteil der Gagen ausgefallener Vorstellungen als Ausfallhonorar.


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… arbeitet nach Stationen als Techniker, Musiker und Kulturmanager heute als Festivalleiter, Kurator, Hochschullehrer, Konzertdesigner und Videokünstler. Konzerte mit Videoinstallationen waren zuletzt im Kölner Kolumba-Museum von Peter Zumthor und beim Schleswig-Holstein Musikfestival zu sehen. Seit der Mitgründung des Berliner Radialsystems 2006 setzt sich Folkert Uhde für das Nachdenken über zeitgemäße Konzertformate ein und engagiert sich in der öffentlichen Diskussion über Kultur...