Das Jahr 2020 ist für Kulturschaffende das bitterste in der europäischen Nachkriegsgeschichte. Heute hätte, morgen würde, eigentlich wäre … Das Jahr der Konjunktive. Projekte, Konzerte, Premieren, ganze Festivals. Außer Spesen nix gewesen. Und das Jahr der Gerüchte, des Viertelwissens, der Verschwörungsmythen, Verschwurbelungen, Missverständnisse, Miss-Verständigung, sogar: Miss-Achtung. Das Jahr der Aufgeregtheiten – über Existentielles und Nichtiges. Ein Jahr der Verzweiflung, der Verlorenheit, der Suche, der existentiellen Sorgen. Auch von mir. Denn ich bin selbständig, in der sogenannten »Hoch«-Kultur, der klassischen Musik. Ich kenne Musiker:innen, die trotz internationaler Karriere in Spitzenensembles jetzt Grundsicherung beziehen. Sänger:innen, die trotz guter Engagements in den letzten Jahren nun Lehrer:in werden wollen. Agenturen, die kurz vor der Pleite stehen. Und es gibt sehr viele Berufsgruppen, die nicht sichtbar sind und kaum eine Stimme haben, nicht nur in der Kultur. Drei Tage vor dem November-Shutdown war ich abends in einem Restaurant, in dem die Kellnerinnen fassungslos und den Tränen nah waren. Was ich damit sagen will: Verzweifelt sind auch andere. Das macht es nicht besser, aber wir dürfen das nicht übersehen.
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