2012 gestattete mir der Geiger Christian Tetzlaff anlässlich eines gemeinsamen Gesprächskonzerts die Formulierung, Béla Bartóks Sonate für Violine solo sei ein »massiv krasses Werk« – und fügte hinzu: »Das ist das Schwerste, was wir haben.« Doch fangen wir die Geschichte noch etwas früher an.
Am 13. April 1938 schrieb Bartók aus Budapest an seine Vertraute Annie Müller-Widmann: »Was nun meine spezielle Lage anbetrifft, so ist sie vorläufig eine ziemlich böse, denn nicht nur mein Verlag (Universal Edition Wien) ist jetzt ein Naziverlag geworden (man hat die Inhaber und Leiter einfach hinausgeworfen), sondern auch die A.K.M. (Gesellschaft für die Aufführungsrechte), der ich angehöre (auch Kodály), ist ja eine Wiener Gesellschaft, die jetzt ebenfalls ›nazifiert‹ wurde. Eben vorgestern erhielt ich den berüchtigten Fragebogen, mit Fragen über Großväter etc., dann: ›Sind Sie deutschblütig, rassenverwandt oder nichtarisch?‹ Natürlich wird dieser Fragebogen weder von mir, noch von Kodály ausgefüllt: unser Standpunkt ist, dass solche Fragereien rechts- und statutenwidrig sind. Eigentlich schade, denn man könnte bei der Beantwortung schöne Späße machen, z. B. wir sind nichtarisch – wie ja schließlich (wie ich aus meinem Lexikon erfahre) ›arisch‹ heißt ›indoeuropäisch‹; wir Ungarn sind jedoch finno-ugrisch, ja sogar vielleicht rassenmäßig nord-türkisch, also überhaupt nicht indoeuropäisch, demzufolge nichtarisch. Eine andere Frage lautet: ›Wo und wann wurden Sie verwundet?‹ Antwort: ›Am 11., 12. und 13. März 1938 in Wien!‹ Aber leider können wir uns diese Späße nicht erlauben, denn wir müssen daran festhalten, dass dieser statutenwidrige Fragebogen uns nichts angeht und deshalb unbeantwortet bleiben muss.«

