»Das Liebesleben ist Privatsache!«, oder: »Uns interessiert vor allem seine Musik.« So tönt es bisweilen, wenn man über Chopins eigens formulierte Liebe zu Männern berichtet. Für den neuen Spielfilm Chopin, Chopin! (2025) von Regisseur Michał Kwieciński und Drehbuchautor Bartosz Janiszewski scheint das nicht zu gelten. Chopins geniale, gefühlvolle, nicht selten auch wilde und unverfrorene Musik spielt hier eine erstaunlich kleine Rolle. In dieser vom öffentlich-rechtlichen polnischen Fernsehen TVP sowie dem Nationalen Chopin-Institut koproduzierten und mit einem Budget von 72 Millionen Złoty (rund 16 Mio. Euro) teuersten polnischen Filmproduktion der letzten 25 Jahre ist das Liebesleben nicht Privat-, sondern Hauptsache. Wie auch angeblich verzweifelte Versuche Chopins, zu heiraten und eine Familie zu gründen – wenngleich der Komponist tatsächlich Klatsch und Tratsch über eine Vermählung selbst stets als Absurdität zurückwies.
Bereits in der zweiten Szene wird dem Publikum ein Quickie des Komponisten mit der polnischen Comtesse Delfina Potocka (Karolina Gruszka) aufs Auge gedrückt. Chopin hat die verheiratete Potocka zwar gekannt, faktische Hinweise für eine Liebesbeziehung gibt es aber nicht. Eine vor langer Zeit herbeifantasierte, heute aber klinisch tote, weil längst von der Chopinologie widerlegte Uraltlegende soll hier wohl wiederbelebt und bildmächtig doch noch in der Erinnerung des Publikums eingebrannt werden.

