»Es ist überhaupt nicht meine Art, mich auf einem Plakat zu präsentieren, das habe ich für mich früh entschieden«, sagt Schlagzeuger Leonard Weiss gleich zu Beginn unseres Treffens in einem Café in Berlin-Charlottenburg. Dass er so im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, ist er nicht gewohnt. »Es gab eine Weggabelung in diese Soloschiene, die habe ich nicht genommen. Ein Professor wollte mich als Jungstudent. Aber mein Papa war da ziemlich klar, der meinte: ›Nee, du machst Abitur.‹« Also hat Weiss – ganz klassisch – erst im Bundesjugendorchester (BJO) gespielt, seinen Schulabschluss gemacht und dann an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin studiert. 

Schon während des Studiums spielte er unter anderem im Gewandhausorchester Leipzig und als Akademist bei den Berliner Philharmonikern, mit denen er heute noch auftritt. Nach einigen Jahren als stellvertretender Solo-Pauker im Osnabrücker Sinfonieorchester ist er gerade in Elternzeit, parallel lehrt er an der Musikhochschule in Dresden.

Weiss sitzt im Shirt auf einer Bank in der Septembersonne, redet lebhaft und lacht viel, wir duzen uns sofort. Um zu erkennen, dass er ein Glasauge hat, muss man genau hinsehen. Es geht neben der Musik immer wieder auch um seine Familie, um Freunde von früher und heute – ein absolutes Dorfkind sei er, und noch mit vielen von damals in Kontakt. Dass er im Ensemble- und Orchesterspiel ganz aufgeht, glaube ich sofort.

VAN: War diese Weggabelung, an der du dich gegen die Solo-Karriere entschieden hast, nach einem Erfolg bei ›Jugend musiziert‹?

Leonard Weiss: Ja, ich bin nach einem Wettbewerbserfolg auf ein Musikgymnasium gewechselt – und damit ging es dann los. Ich habe ein Schulpraktikum bei Peter Sadlo gemacht, dem Riesennamen am Schlagzeughimmel. Das war ein intensives Jahr, er hat mir die Welt eröffnet zu den Persönlichkeiten, die man kennen muss, auch zum Bundesjugendorchester und ›Jugend musiziert‹. Dann wurde aber klar: Er will, dass ich kein Abi mache, sondern eine Solo-Karriere. Mein Papa hat gesagt: ›Nee, mach das nicht.‹ Und im Nachhinein bin ich total happy. Das hat mir nochmal die Zeit gegeben, die ich brauchte.


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... machte in Köln eine Ausbildung zur Tontechnikerin und arbeitete unter anderem für WDR3 und die Sendung mit der Maus. Nach einem Schulmusik- und Geschichtsstudium in Berlin und Bukarest gibt sie Seminare in Musikwissenschaft und Musikjournalismus und ist Redakteurin bei VAN. merle@van-verlag.com