Im Januar 2026 wurde dem Gitarristen Sean Shibe klar, dass er es übertrieben hatte. Im Februar dann ein Warnschuss seines Körpers – ein Fehlalarm zwar, doch Anlass genug, sich eine Auszeit zu nehmen und seine Gewohnheiten zu überdenken. Seit fast einem Jahrzehnt ist Shibe der Inbegriff des getriebenen Künstlers: Seit 2017 hat er neun Alben veröffentlicht (einschließlich Vesper, dem neuesten) und ist unermüdlich auf Tour. Nebenbei unterrichtet er an der Guildhall School of Music & Drama und ist derzeit Artist in Residence am Londoner Southbank Centre.
Shibes außergewöhnliches Spiel – die Fülle an Klangfarben und Texturen, die er mit einer Kombination aus Bedachtheit und Akribie aus seinem Instrument herausholt – und sein Verständnis der Gitarre als Werkzeug klanglicher Erkundung haben ihn zu einer festen Größe im Fachdiskurs gemacht: Er war auf den obligatorischen Titelseiten britischer Klassikmagazin, trat aber auch vor einer deutlich breiteren Öffentlichkeit auf, ohne dabei in seichtes Crossover zu kippen: Im vergangenen Jahr nahm er ein NPR Tiny Desk Concert auf – kurz nach David Byrne von den Talking Heads und Seventeen, der südkoreanischen Boygroup.

