»Die Welt zu Gast in Hamburg«, schwärmt die Elbphilharmonie auf ihrer Website und meint damit eigentlich: Die G20-Staatsoberhäupter zu Gast bei einem Elphi-exklusiv-Konzert – Beethovens Neunte mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg und Kent Nagano. Nicht nur mir stellt sich da die Frage: Dürfen sich klassische Musikerinnen und Musiker dafür hergeben? Sollten sie sich weigern zu spielen? Den Auftritt mit einem eigenen politischen Statement verbinden? Oder dürfen sie es sich mit der Hoffnung bequem machen, dass Beethovens Neunte schon für sich selbst sprechen wird – »Alle Menschen werden Brüder«? Sagt sie in diesem Kontext nicht viel eher: »Unsere deutsche Architektur, unsere deutschen Spitzenmusiker*innen, unser Beethoven. Germany, it’s just great«? Und ist dazu trotz Text so deutungsoffene Konsensklassik, dass sich selbst üble Autokraten, von denen ja einige anwesend sein werden, dazu gemütlich in den Elphi-Sessel fläzen können? Wie viel politische Haltung verträgt und braucht der Klassikbetrieb?Das Laienensemble Lebenslaute dreht den Spieß um und fragt: Wie viel klassische Musik braucht politische Aktion?


Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.

Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv

VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.


Sie haben schon ein Abo?

... machte in Köln eine Ausbildung zur Tontechnikerin und arbeitete unter anderem für WDR3 und die Sendung mit der Maus. Nach einem Schulmusik- und Geschichtsstudium in Berlin und Bukarest gibt sie Seminare in Musikwissenschaft und Musikjournalismus und ist Redakteurin bei VAN. merle@van-verlag.com