Eigentlich kommunizieren Musiker heute so viel wie nie zuvor. Warum ist es dann so besonders, einen Pianisten wie Alfred Cortot reden zu hören und zu sehen, während er spielt? Volker Hagedorn hat über die »Aura« nachgedacht und festgestellt, dass es um etwas anderes geht, oft beschworen, selten vorhanden: Authentizität.

Ach ja, die Aura. Hätte Walter Benjamin recht, wäre jetzt kaum noch Aura zu erleben, von ihm vor rund achtzig Jahren beschrieben als »einmalige Erscheinung einer Ferne, so nahe sie sein mag« und bedroht besonders da, wo es um das »Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit« gehe. Die Vervielfältigung von Bildern und Tönen trenne die Kunst von ihrer Tradition. Der »Traditionswert« von Kunst werde durch die Massenmedien liquidiert, die Aura verkümmere. Und das war sehr lange vor Youtube, Spotify und der Möglichkeit, alles fast lichtschnell zu »teilen« und zu »verlinken«. Bis neulich habe ich Benjamins Diagnose respektvoll nickend angestaunt.   


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…lebt als Buchautor, Journalist und Musiker in Norddeutschland. Er studierte Viola in Hannover, war Feuilletonredakteur in Hannover und Leipzig und ist seit 1996 selbstständig als Autor u.a. für ZEIT und Deutschlandfunk. Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm »Bachs Welt« (2016), »Der Klang von Paris« (2019) und »Flammen. Eine europäische Musikerzählung 1900–1918« (2022). Ein viertes Buch ist in Arbeit.