Er blieb bis zu seinem letzten Lebenstag im vierundneunzigsten Jahr wach und gegenwärtig. Bis vorgestern stand Alfred Brendel im Diskurs mit Freunden und Kollegen, als Künstler und als Zeitgenosse, vermittelt über den allmorgendlichen Mailverkehr mit Caro, der »Zeitungsbotin«. Dieser Pianist war, obwohl er sich längst aus dem Konzertleben zurückgezogen hatte, stets präsent, wann immer es etwas zu wissen oder zu lästern oder zu besprechen gab, um die Sache der Musik, aber auch um die der anderen schönen Künste. Man hatte sich fast daran gewöhnt, ihn für unsterblich zu halten. Was für ein reiches, erfülltes und vielgestaltig kreatives Leben dieser große Musikkenner und -könner geführt hat, bis zu seinem letzten Atemzug! Wie sollten wir, sein Publikum, da nicht glücklich und dankbar sein? Jetzt fehlt er. Erwartbar zwar, aber endgültig.
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