Als der Zürcher Regisseur Georges Delnon zwischen 2006 und 2015 das Theater Basel leitet, spürt er eine große Leichtigkeit, die Arbeit ist spielerisch, erzählt er mir. Delnon schafft Schnittstellen zwischen Bildender Kunst, Schauspiel und Oper, und er hat den Eindruck, es kommen alle zu allem, auch das Publikum ist also spartenübergreifend. Während seiner Intendanz wird das Haus zweimal von der Opernwelt zum Opernhaus des Jahres gekürt. 

2015 wechselt Delnon an die Staatsoper Hamburg. Im darauffolgenden Jahr inszeniert Romeo Castellucci die Matthäus-Passion in den Deichtorhallen, und Delnon merkt, dass in Hamburg alles etwas anders läuft. Es gibt jeweils ein Publikum für Schauspiel, eins für Bildende Kunst und eins für Oper – und er muss sich auf letzteres konzentrieren. 

Gut für das Opernpublikum. Delnons Schwerpunkt liegt in der Neuen Musik, wo er es versteht, beim musikalischen Kern zu bleiben, anstatt ein Werk übermäßig auszustaffieren. Seine Inszenierung von Salvatore Sciarrinos Venere e Adone aus der letzten Spielzeit beispielsweise fängt behutsam die feine, schmetterlingsartige Sinnlichkeit einer Oper ein, die man als Regisseur auch allzu leicht erdrücken könnte. In Saint François d’Assise platziert Delnon die Sänger:innen in der Elbphilharmonie auf Gerüsten über der Bühne, damit dort das Orchester Platz findet. Der Klang wird dadurch derart transparent und laut, , dass genau in dem Moment, in dem François sagt, dass ihn noch mehr Engelsmusik umbringen könnte, eine Frau in meiner Nähe tatsächlich kollabiert. (Es ging ihr schnell wieder gut.) 

Nach dieser Spielzeit geht Delnon in Rente. Ich treffe ihn vor der Premiere von Unsuk Chins neuer Oper an der Staatsoper Hamburg. Wir sprechen über die Arbeit als totalitäres System, seine Pläne für den Ruhestand und Hamburgs neue Oper. Als ich das Aufnahmegerät einschalte, sind wir schon mitten im Gespräch über den Unterschied zwischen dem Theater Basel und der Staatsoper Hamburg …


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.