Ich treffe Lars Vogt an einem lauwarmen Sommerabend im Parkcafé Pusteblume am Wilmersdorfer Volkspark. Er wohnt in der Nähe und kommt zu Fuß. Am Abend zuvor hat er noch auf einem Festival in Portugal gespielt und dirigiert, das Konzert fing um 22 Uhr an, danach gab es noch eine kleine Feier. Morgen geht es mit der Familie in den Urlaub nach Mallorca. Eigentlich hatten wir uns zum gemeinsamen WM-Gucken verabredet, nach Abgleich der Kalender blieb dann nur der spielfreie Tag übrig. Zum Aufwärmen geht es trotzdem erstmal um Fußball. Vogt, im rheinischen Düren geboren, ist seit seiner Kindheit Gladbachfan, er verfolgt die Spiele auch auf Reisen im Livestream (›Beim Fussballgucken löst sich was in mir‹). Bis zur B-Jugend hat er selbst gespielt und es bis in die Kreisauswahl geschafft. Sein Vater, selbst Profifußballer, leitete beim heimischen Düren 99 die Jugendabteilung. Seit vier Jahren ist Vogt Music Director der Royal Northern Sinfonia in Newcastle, seine Pianistenkarriere läuft daneben ungebrochen weiter, gerade ist die zwanzigste Ausgabe seines eigenen Festivals in Heimbach in der Eifel zu Ende gegangen, daneben unterrichtet er an der Musikhochschule Hannover, und vor sieben Monaten ist er zum dritten Mal Vater geworden. Wenn er da, wie aktuell, an einem heftigen Bandscheibenvorfall laboriert (»Spielen ging, Dirigieren teilweise nur im Sitzen, und abends nach den Konzerten in die Klinik zum Spritzen. Das war wirklich ätzend«) – kommt da nicht der Wunsch auf, mal den Druck rauszunehmen, kürzer zu treten? »Überlegungen gibt es immer, es ist so schwierig umsetzbar, weil ich so viele Fronten habe, an denen ich tätig bin. Außerdem mag ich es schon, im Feuer zu stehen, da passieren oft besondere Dinge.« Vogt schluckt noch Schmerztabletten, wir bleiben also sicherheitshalber bei alkoholfreiem Bier und Rhabarberschorle.
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