Nach Blut und tragischem Untergang, die bei dem Stoff ja drin wären, dürstet es dieses Werk durchaus nicht. Flugs wird da erledigt, wonach der trauernd-zürnende Chor der Spartaner im ersten Akt verlangt: Le cri de la vengeance est le chant des Enfers! – Der Schrei nach Rache ist der Höllengesang. Und schwupps, kaum ein paar Takte weiter hat Pollux bereits den Tod seines geliebten Bruders vergolten, jenes Castor, der zu Beginn der Oper bereits totgeschlagen ist – zumindest in der ersten Fassung, die hier die Grundlage der Aufführung bildet. Dramatisch schwierig; erst im vierten Akt wird diese tote der beiden Hauptfiguren auftreten und ins Leben zurückkehren. Tragikvermeidung dann auch am Ende: Die Konfliktverknotung zwischen gegenseitiger Bruderliebe und erotischer Liebe zu derselben Frau wird einfach aufgelöst, indem Jupiter-ex-machina die beiden Brüder zu den Sternen versetzt und dabei auch die Frau nicht angeschmiert zurücklässt, sondern kurzerhand mitverstirnt. Lediglich die andere Frau, die vielleicht am leidenschaftlichsten von allen liebt, aber leider nicht zurückgeliebt wird, geht als Kollateralschaden zugrunde. Rameaus Oper beachtet das allerdings nicht so riesig; und im Staatstheater Meiningen, in der Regie von Adriana Altaras, darf diese unglückliche Andere nach kurzer Zurschaustellung ihres Abgrunds dann doch einfach im Schlussjubel mittanzen. Das ist auch ganz in Ordnung so. Denn die erhaben-antike Broligarchie Castor et Pollux soll keine Opfer haben – und sie braucht keine.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com