In Alban Bergs Oper Lulu wird viel gestorben; richtig herzzerreißend sind aber vor allem die vier Tode, die Gräfin Geschwitz sich ausdenkt, als sie sich im dritten Akt endlich eingesteht, dass Lulu gar nichts für sie empfindet. Welche Art, sich umzubringen – erschießen, erstechen, erhängen, von einer Brücke springen – könnte Lulu bewegen, ihr eine Träne nachzuweinen? Bis hierhin hat Geschwitz schon fast alles für die unerwiderte Liebe geopfert: Sie hat sich absichtlich mit Cholera angesteckt, Monate im Krankenhaus verbracht und ihr Vermögen hergegeben. In der Folge wird sie noch versuchen, sich für Männer zu prostituieren, obwohl sie Frauen liebt, um Geld für sich und Lulu zu verdienen. Trotzdem geht Lulu nie mit ihr ins Bett. Sie schläft lieber mit einem Freier namens Jack the Ripper. Er überzeugt sie, ihre Arbeit ohne Lohn zu machen, bevor er ihr die Kehle durchschneidet. »Wie dunkel es hier ist«, singt Geschwitz kurz vorher, bescheiden klagend über hohlen Quinten. »Es wird noch viel dunkler«, antwortet Schigolch, die absteigende Linie weiterführend. Recht hat er.
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